Dritte Corona-Welle in der Türkei - Ärzte schlagen Alarm

Die Türkische Ärztevereinigung hat angesichts von rasant steigenden Corona-Neuinfektionen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. "Unsere Krankenhäuser sind mit COVID-19 Patienten überfüllt", sagte die Chefin der Vereinigung TTB, Sebnem Korur Fincanci, am Montag. Selbst die zusätzlich eingerichteten Stationen reichten nicht aus, um dem Bedarf gerecht zu werden. "Auf den Intensivstationen ist kein Platz mehr", sagte sie. Mitarbeiter im Gesundheitssystem seien überfordert.
12.04.2021 14:34

Das türkische Gesundheitsministeriums gibt die Zahl der belegten Intensivbetten im Land mit rund 67 Prozent an. Die Corona-Neuinfektionen in der Türkei stiegen in der vergangenen Woche mit mehr als 50 000 Fällen pro Tag auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie. Nach Angaben von Gesundheitsminister Fahrettin Koca liegen rund 40 Prozent der Infektionen in der Millionenmetropole Istanbul. Dort wurden zuletzt fast 600 Fälle pro 100 000 Einwohner in einer Woche gemeldet.

TTB-Chefin Fincanci zweifelte zudem die offizielle Todeszahl von rund 250 Fällen täglich in den letzten Tagen an. Das sei nach Berechnungen der TTB nur ein Drittel der eigentlichen täglichen Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19.

Die Türkei mit ihren rund 84 Millionen Einwohnern hatte Corona-Beschränkungen Anfang März teilweise aufgehoben - seitdem steigen die Fallzahlen rapide. Die TTB-Chefin bezeichnete die Lockerungen als "unkontrolliert".

Zurzeit gelten landesweite Ausgangssperren am Abend und Ausgangsbeschränkungen am gesamten Wochenende in bestimmten Regionen. Am Dienstag, zum Beginn des Fastenmonats Ramadan, sollen weitere Massnahmen greifen. Cafés und Restaurants, die zurzeit geöffnet sind, müssen etwa auf Paketservice umstellen.

Die Türkei hatte ihre Impfkampagne Mitte Januar begonnen und impft vor allem mit der Vakzine des chinesischen Herstellers Sinovac, inzwischen sind auch 2,8 Millionen Dosen Impfstoff von Biontech verfügbar. Die Bundesregierung stuft die Türkei seit Sonntag als Corona-Hochinzidenzgebiet ein. Damit wurden die Einreiseregeln nach Deutschland leicht verschärft./jam/DP/jha

(AWP)