Drohender Staatsbankrott - Argentinien will Krise mit Kontrolle des Devisenhandels bekämpfen

Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise wird Argentiniens Regierung den Devisenhandel einschränken. Der Zugang zum Devisenmarkt sowie Auslandsüberweisungen werden künftig der Zustimmung der Notenbank bedürfen.
02.09.2019 06:57
Mauricio Macri, Präsident Argentiniens.
Mauricio Macri, Präsident Argentiniens.
Bild: iNg

Die Zentralbank des südamerikanischen Landes werde Bedingungen festlegen, unter denen der Zugang zum Devisenmarkt sowie Auslandsüberweisungen der Zustimmung der Notenbank bedürfen, heisst es in einem Dekret, das am Sonntag im Amtsblatt veröffentlicht wurde. Die Regierung halte die Sondermassnahmen für notwendig, um das normale Funktionieren der Wirtschaft zu gewährleisten.

Das Dekret sieht zudem vor, dass der Gegenwert exportierter Güter und Dienstleistungen unter Bedingungen, die die Zentralbank ebenfalls festlegen werde, bis Ende des Jahres in Form von Devisen ins Land fliessen muss. Am Freitag hatte die Notenbank mitgeteilt, Kreditinstitute müssten grössere Verschiebungen ihres Vermögens künftig von ihr genehmigen lassen. Mit den Massnahmen will die Regierung die Abwertung des Peso stoppen und eine weitere Kapitalflucht aus dem hoch verschuldeten Land verhindern.

Die Ratingagenturen Fitch und Moody's hatten ihre Einschätzungen der Kreditwürdigkeit Argentiniens am Freitag zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen gesenkt. Fitch korrigierte die Bewertung auf "RD" - das bedeutet "Restricted Default", also so viel wie eingeschränkter Kreditausfall, und ist nur eine Stufe vom Rating für Zahlungsausfall entfernt. Argentinien habe einseitig beschlossen, fällige Schuldtitel erst später zurückzubezahlen, teilte die Ratingagentur zur Begründung mit.

Argentiniens Landeswährung steht zum wiederholten Male heftig unter Druck, nachdem bei Vorwahlen der wirtschaftsliberale Präsident Mauricio Macri eine herbe Niederlage gegen den linken Oppositionskandidaten Alberto Fernández hinnehmen musste. Im Oktober steht eine Präsidentenwahl an. Die Kapitalmärkte befürchten einen Sieg des protektionistisch orientierten Fernández.

(AWP)