Droht der CS nun eine Kapitalerhöhung?

Die Milliardenbusse gegen die Credit Suisse verdünnt die Eigenkapitaldecke der Grossbank. Im Video-Interview nennt ZKB-Analyst Andreas Brun mögliche Folgen.
20.05.2014 12:32
Von Frédéric Papp
Andreas Brun, Analyst Zürcher Kantonalbank, im Video-Interview.
Bild: cash

Nach der saftigen Busse von 2,6 Milliarden Franken im US-Steuerstreit wird der erwartete Credit-Suisse-Reingewinn für das laufende Geschäftsjahr um 1,6 Milliarden Franken tiefer ausfallen. Das hat unangenhemne Folgen für die Aktionäre.

"Entsprechend müssen auch die Dividendenerwartungen nach unten korrigiert werden", sagt Andreas Brun, Bankenanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, im Video-Interview. Bislang ging der Markt von einer Dividende von 75 Rappen aus, was einer Rendite von 2,8 Prozent entspräche.

Nach unten gedrückt wird durch die Busse auch die sogenannte Kernkapitalquote Tier 1. Diese sinkt laut Brun auf 9,3 Prozent. Zuvor lag sie bei 10 Prozent. Mit dieser Quote bewegt sich die Credit Suisse im Vergleich zu anderen europäischen Grossbanken am unteren Rand. "Dies könnte Spekulationen im Markt über eine baldige Kapitalerhöhung anheizen", sagt Brun.

Am Sonntag hat die Deutsche Bank mitgeteilt, dass sie eine Kapitalerhöhung im Umfang von 8 Milliarden Euro durchführen will. Mit der zweiten Kapitalerhöhung binnen eines guten Jahres will sich der Konzern für neue mögliche Belastungen durch noch schärfere Regeln und seine umfangreichen Rechtsrisiken rüsten. Sie holte sich dafür einen katarischen Grossinvestor an Bord (cash berichtete).

Mit der nun angekündigten Platzierung steigt die Kernkapitalquote nach den strengeren Basel-III-Standards auf einen Schlag von zuletzt 9,5 Prozent auf 11,8 Prozent, wie die Deutsche Bank vorrechnete. Bislang hatte die Bank zehn Prozent bis März 2015 angepeilt. Bei der UBS liegt die Quote bei 13,2 Prozent.

Ein weitere Knackpunkt ist das von der Credit Suisse abgerungene Schuldeingeständnis. Im Vorfeld wurden insbesondere Auswirkungen auf das operative Geschäft befürchtet. Die Credit Suisse gibt diesbezüglich aber Entwarnung. In einem Conference Call von heute Morgen sprach die Bank mit insgesamt 130 Gegenparteien, davon hätten 125 Institute ihre bedingungslose Kooperation zugesichert, hiess es. Bei den restlichen Finanzinstituten handelt es sich laut Brun um US-Pensionsfonds, die aus regulatorischen Gründen nicht mit Instituten zusammenarbeiten dürfen, die ein Schuldeingeständnis abgelegt haben.

Im Video-Interview äussert sich Brun auch zur Signalwirkung der CS-Busse gegen die anderen 13 Banken der Kategorie 1.