Economiesuisse: Schwierige Situation nach Brexit - planbare Überraschung

Zürich (awp) - Viele Schweizer Unternehmen stehen nach Einschätzung von Economiesuisse nach der Brexit-Entscheidung in Grossbritannien vor einer von Unsicherheiten geprägten Situation. Auch wenn man nun erst am Anfang eines langwierigen Prozesses der Loslösung und Neudefinition der Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU stehe, die Unsicherheit belaste auch Schweizer Unternehmen, sagte Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft bei dem Wirtschaftsverband im Gespräch mit AWP.
24.06.2016 10:35

Insbesondere die Währungsbewegungen des Franken zu Euro und Britischen Pfund würden alle Firmen gleichermassen betreffen. "Das ist sektorübergreifend und betrifft Pharma, Chemie, Maschinenbau oder auch den Schweizer Tourismus, für den britische Gäste ein wichtige Zielgruppe darstellen." Für den Schweizer Maschinenbau und die Elektroindustrie sei Grossbritannien ein wichtiger Markt. "Das Produzierende Gewerbe hat in Grossbritannien zwar nur noch einen Anteil am BIP von rund 10%, nach Volumen betrachtet ist es aber einer der wichtigsten europäischen Märkte für Schweizer Unternehmen", so Atteslander.

FÜNFTWICHTIGSTER ABSATZMARKT

Eine mögliche Rezession Grossbritanniens werde sich negativ auf die Wirtschaftsbeziehungen mit der Schweiz auswirken: Grossbritannien ist heute der fünftwichtigste Absatzmarkt der Schweizer Exportwirtschaft und die Nummer vier für Schweizer Direktinvestitionen im Ausland, betont Economiesuisse. Am meisten exportiert werden Pharmaprodukte, Edelsteine und Edelmetalle, Maschinen und Uhren. Zudem beschäftigen Schweizer Firmen in ihren britischen Niederlassungen fast 100'000 Angestellte. Mit einem Anteil von 15% an der EU-Wirtschaft verliere diese mit Grossbritannien ein wirtschaftliches und politisches Schwergewicht.

Angesichts der Tatsache, dass es sich bei dem Referendum um eine "planbare Überraschung" gehandelt hat, hätten sich viele Firmen gegen Bewegungen beim Pfund abgesichert. Atteslander rechnet damit, dass die Unternehmen die Situation zunächst eingehend analysieren werden. Bis klar sei, wie die neuen Rahmenbedingungen für ein Verhältnis GB-EU aussehen, würden die Unsicherheiten weiter bestehen.

yr/ra

(AWP)