Economiesuisse: SNB muss alles für Frankenkurs von 1,08 - 1,10 tun

Zürich (awp/sda) - Nach dem Aufwertungsdruck auf den Franken durch den Brexit-Entscheid fordert der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse von der Schweizerischen Nationalbank (SNB), alles für einen Euro-Franken-Kurs bei 1,08 bis 1,10 Fr. zu tun.
26.06.2016 12:42

"Ich erwarte, dass die Nationalbank auch künftig alle Mittel nutzen wird, um die Aufwertung des Frankens in der Grössenordnung von 1,08 bis 1,10 Fr. halten zu können", sagte Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer in einem Interview mit der Zeitung "NZZ am Sonntag".

Gegenüber der Onlineausgabe der "Schweiz am Sonntag" sagte Karrer, die SNB müsse weiterhin eine unabhängige Geldpolitik betreiben können. "Aber natürlich muss sie alles unternehmen, damit der Euro die Kursregion von 1,10 Franken auch kurzfristig nicht gegen unten verlässt." Dafür solle sie die zur Verfügung stehenden Mittel anwenden, also die Zinspolitik und Interventionen am Devisenmarkt.

Den Aufwertungsdruck auf den Franken würden viele Schweizer Firmen bei ihrer Exportfähigkeit unmittelbar zu spüren bekommen. Grossbritannien sei schliesslich der fünftgrösste Exportmarkt der Schweiz. Zudem würden für viele britische Touristen Ferien in der Schweiz wohl zu teuer. "Darunter wird der Tourismus-Sektor zu leiden haben", sagte Karrer der "Schweiz am Sonntag".

Dass Schweizer Firmen, die zurzeit über 100'000 Angestellte in Grossbritannien zählen, auf der Insel gross ausbauen, glaubt Karrer nicht. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Schweizer Firmen in Grossbritannien weniger investieren werden, ist gross, da auch die Unsicherheiten mit dem Brexit massiv zugenommen haben", sagte Karrer der "Schweiz am Sonntag".

Talfahrt der Wirtschaft erwartet

"Wir gehen davon aus, dass Grossbritannien eine starke konjunkturelle Abkühlung verkraften muss, mit dem Risiko einer Rezession", sagte Karrer der "NZZ am Sonntag". Das wäre auch für die Schweizer Wirtschaft deutlich spürbar, denn Grossbritannien sei nicht nur der fünftgrösste Exportmarkt der Schweiz, sondern auch der viertgrösste Standort für Direktinvestitionen. Die Flaute in Grossbritannien werde auch die Wirtschaft in der EU etwas dämpfen.

Dass die Briten nun der Europäischen Freihandelszone (EFTA) beitreten, hält Karrer für nicht realistisch: "Da bin ich sehr skeptisch." Die Briten würden eher bilaterale Verträge mit der EU anstreben, als sich von einer multinationalen Organisation in die nächste zu bewegen.

Auf die Frage, ob die Schweiz jetzt mit Grossbritannien Verhandlungen über einen Freihandelsvertrag aufnehmen sollte, sagte Karrer: "In diesem Zeitpunkt, in dem noch alles unklar ist, mit Grossbritannien bilateral zu verhandeln, erachte ich als wenig sinnvoll."

(AWP)