Ecuador beginnt mit umstrittener Ölförderung im Yasuní-Nationalpark

Tiputini (awp/sda/afp) - Nach jahrelangen Querelen hat Ecuador mit der Erdölförderung in einem geschützten Gebiet im Yasuní-Nationalpark begonnen. Vize-Präsident Jorge Glas sprach am Mittwoch (Ortszeit) von einer "neuen Ära, einem neuen Ölhorizont" für alle Ecuadorianer, als der Staatskonzern Petroamazonas mit der Förderung begann.
08.09.2016 14:25

Die gewonnene tägliche Menge an Rohöl liege derzeit bei 23'000 Barrel, bis 2022 sollen es 300'000 Barrel sein. Die Ölförderung in dem Nationalpark ist äusserst umstritten. Im Yasuní-Gebiet liegt das Ölfeld ITT, das ausserhalb der geschützten Areale bereits ausgebeutet wird. Dort sollen mehr als 40 Prozent der Rohölreserven Ecuadors liegen.

Das Gebiet in der Amazonas-Region gilt aber als eines der artenreichsten der Erde. Um das Ökosystem zu schützen, erklärte die UNO den Nationalpark 1989 zum Biosphärenreservat. In dem Park wohnen auch mehrere Ureinwohner-Stämme.

Präsident Rafael Correa hatte vor einigen Jahren noch versucht, mit der Forderung von Milliardenzahlungen der internationalen Gemeinschaft im Gegenzug für einen Verzicht auf die Förderung das Gebiet zu schützen. Als dieser Plan scheiterte, gab er schliesslich grünes Licht für die Förderung, auch weil Ecuador knapp bei Kasse war. Ecuador ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC).

Esperanza Martínez, Vorsitzende der Umweltgruppe Acción Ecológica, kritisierte den Beginn der Ölförderung. Die isoliert lebenden Völker und die Umwelt würden nun "noch verletzbarer" werden. "Der Schaden ist riesig", fügte sie hinzu.

(AWP)