Edelmetalle - Das sind die Leitplanken für den künftigen Goldpreis

Das Wachstum der US-Wirtschaft verbunden mit weiteren Zinsschritten sprechen für ein Zurückfallen des Goldpreises. Aber was passiert, sollte die USA plötzlich in eine Rezession treten?
06.11.2017 22:32
Von Pascal Züger
Gold kostet derzeit 1270 Dollar pro Feinunze.
Gold kostet derzeit 1270 Dollar pro Feinunze.
Bild: Pixabay

Wer sein Geld in Gold investiert hat, kann sich in diesem Jahr bisher über einen Wertzuwachs von über 10 Prozent freuen. Terroranschläge in Europa, eine sich zuspitzende Nordkorea-Krise und ein politisches Hickhack in den USA haben der "Krisenwährung" Auftrieb gegeben.

Doch immer wieder wurde der Goldpreis nach unten gedrückt. Seit Anfang September ist eine solche Abwärtsbewegung im Gang. In den letzten zwei Monaten hat sich Gold um 6 Prozent auf 1270 Dollar pro Feinunze vergünstigt.Entwicklung Goldpreis seit Jahresbeginn, Quelle: cash.ch

Dieser jüngste Preisfall ist kein Zufall: "Zinserhöhungsfantasien standen wieder im Vordergrund, was den Goldpreis belastet hat", sagt Simon Lustenberger, Anlagestratege bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), auf cash-Anfrage. Der Markt gehe inzwischen zu 90 Prozent von einem US-Zinsanstieg im Dezember aus, im August seien es nur ungefähr 40 Prozent gewesen.

Anzahl Zinsschritte der US-Fed entscheidend

Steigen in den USA die Zinsen an, sinkt in aller Regel der Goldpreis. Denn Gold wird dadurch als Anlage weniger attraktiv, da es keine Zinsen abwirft. Deutlich zu sehen ist dieser Zusammenhang beim letzten US-Zinschritt im Juni, wo der Goldpreis als Reaktion innerhalb eines Monats um 9 Prozent günstiger wurde. Auch beim vorletzten Zinsanstieg im März sank der Goldpreis just dann, als die Marktteilnehmer den Schritt zu antizipieren begannen.

"Die Anzahl der US-Zinsschritte in diesem und im nächsten Jahr dürften für die Entwicklung des Goldpreises entscheidend sein", so Lustenberger. Die ZKB rechnet in den nächsten 12 Monaten mit drei weiteren Zinsschritten, was die Fed Funds-Rate von aktuell 1 bis 1,25 Prozent auf 1,75 bis 2 Prozent erhöhen würde. Der Markt hingegen erwartet dieses Szenario gemäss Fed Funds Futures nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 26 Prozent.

"Sollte sich unser Szenario bewahrheiten, dürfte dies eine Belastung für den Goldpreis darstellen", sagt Lustenberger. Der Anlageexperte rechnet mit einem bald anziehenden US-Lohnwachstum, was die Inflation antreibe und zu diesem schneller als vom Markt eingepreisten Zinsanstieg führen würde. Die ZKB geht daher von einem "leicht tieferen" Goldpreis in den nächsten 12 Monaten aus.

Gold auf bis zu 5000 Franken?

Doch dieses Szenario impliziert, dass sich die Wirtschaft weiter erholen kann und die Inflation anzieht, ohne dass es in den nächsten Monaten Nebengeräusche in Form von grösseren geopolitischen Zwischenfällen oder wirtschaftlichen Rückschlägen geben wird. Dabei existieren durchaus Risiken: US-Präsident Donald Trump besucht diese Woche etwa diverse asiatische Staaten, was laut einem Kommentar der Saxo Bank das Risiko einer "Neuentfachung des Konfliktes mit Nordkorea" in sich trägt - und wiederum dem Goldpreis Antrieb gäbe.

Und was, wenn die Konjunktur plötzlich ins Stocken gerät? Ein solches Szenario hält der liechtensteinische Vermögensverwalter Incrementum sogar für wahrscheinlich: "Sollte dieser Aufschwung nicht der längste der Geschichte und sollte das US-Wirtschaftswachstum in den kommenden 24 Monaten negativ werden, wären die Konsequenzen aus unserer Sicht gravierend", ist in einem Research-Bericht zu lesen.

Bei einem solchen Szenario sei bis 2021 ein Goldpreis zwischen 1800 bis 5000 Dollar möglich. Die Liechtensteiner rechtfertigen ihre Crash-Prognose unter anderem damit, dass die Gesamtverschuldung der Konsumenten stetig ansteige, Vermögenswerte wie Aktien deutlich überteuert seien und mit Donald Trump der "wohl unberechenbarste US-Präsident aller Zeiten" an der Macht sei.

Mit dieser düsteren Einschätzung, einhergehend mit stark ansteigenden Goldpreisen, stehen die Liechtensteiner jedoch alleine da. Der Konsens geht über die nächsten 12 Monate von einem gleichbleibenden oder leicht tieferen Goldpreis aus - ohne grössere wirtschaftliche Rückschlage.