EFD startet Vernehmlassung zu neuen Banken-Liquiditätsvorschriften

Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) hat die Vernehmlassung zur Änderung der Liquiditätsverordnung eröffnet. Mit der Revision soll ein letzter Teil der Vorgaben der internationalen Bankenregulierung Basel III umgesetzt werden.
10.01.2017 18:08

Beim dritten und letzten Schritt in der Umsetzung von Basel III geht es um die langfristige Stabilität der Banken. So will der Bund neu den Banken Vorgaben für die Finanzierung von Krediten machen. Damit soll vermieden werden, dass Banken langfristige Kredite in zu grossem Masse mit Geldern finanzieren, die den Banken nur kurzfristig zur Verfügung stehen.

Denn je kurzfristiger eine Bank einen langfristigen Kredit finanziert, desto höher ist das Risiko von Verlusten. Steigen nämlich unerwartet die Zinsen, erhöhen sich zwar die Finanzierungskosten der Banken, nicht jedoch deren Einnahmen aus den Kreditzinsen.

Um dieses Zinsänderungsrisiko einzuschränken will der Bund den Banken jetzt eine so genannte Finanzierungsquote (Net Stable Funding Ratio, NSFR) vorschreiben. Bereits früher hatte der Bund für Schweizer Banken Liquiditätsquoten (Liquidity Coverage Ratio, LCR) festgelegt, die die kurzfristige Stabilität der Finanzinstitute sicherstellen sollte. Die Vernehmlassung über den NSFR dauert bis zum 10. April 2017. Die Bestimmungen sollen schliesslich ab 1. Januar 2018 gelten.

Die Änderung der Liquiditätsverordnung führt auch zu einer Anpassung des Rundschreibens der Banken-Aufsichtsbehörde Finma. Gleichzeitig mit der Vernehmlassung des EFD startet die Finma eine Anhörung über diese Anpassung, die ebenfalls am 10. April enden wird.

MEHRHEIT DER BANKEN ERFÜLLT NEUE QUOTE

Gemäss dem erläuternden Bericht zur Änderung der Liquiditätsverordnung erwartet der Bund keine heftige Gegenwehr der Banken. Gegenwärtig erfülle nämlich bereits eine Mehrheit der Banken die geforderte Quote. Es sei darum zurzeit auch nicht zu erwarten, dass die Einführung der NSFR einen Effekt auf die Nettozinsmargen und damit auf die Profitabilität der Banken haben werde, heisst es im Bericht.

Von den insgesamt 290 der Aufsichtsbehörde Finma unterstellten Banken hätten in einer Testerhebung lediglich 15 Institute Mitte 2016 eine NSFR-Unterdeckung im Gesamtumfang von 4,5 Milliarden Franken ausgewiesen. Keine systemrelevante Bank gehört dabei zu dieser Gruppe. UBS, CS, ZKB, Raiffeisen und Postfinance weisen demnach aktuell eine genügende Finanzierungsquote auf.

Entsprechend dem geringen Anpassungsbedarf bei den Banken erwartet das EFD auch kaum negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe. Weil das Schweizer Bankensystem per Juni 2016 eine Übererfüllung der NSFR von 370 Milliarden Franken aufgewiesen habe, sollte sich die Umsetzung der neuen Vorschriften kaum negativ auf die Kreditvergabe oder das sonstige Angebot von Finanzdienstleistungen auswirken, schreibt das EFD.

(AWP)