«Eidgenossen»-Rendite steuert auf Rekordtief

Die rapide fallenden Aktienkurse treiben die Anleger noch mehr in Obligationen. Die Rendite der zehnjährigen Obligation der Eidgenossenschaft steuert auf einen neuen Negativrekord hin.
10.02.2016 14:54
Von Marc Forster
Oligationen des Bundes sind im Börsengewitter wieder mehr gefragt.
Oligationen des Bundes sind im Börsengewitter wieder mehr gefragt.
Bild: Bloomberg

Die Rendite des "Eidgenoss", wie die zehnjährigen Bundesanleihe genannt wird, ist im Lauf des Tages auf - 0,39 Prozent gesunken. Zuletzt war die Rendite Anfang Dezember so tief, nämlich - 0,42 Prozent. Zuletzt im positiven Bereich hatte sich die Rendite auf der Anleihe Mitte September befunden, wie diese Grafik zeigt. Im Verlauf des Nachmittags stieg der Kurs wieder auf -0,35.

Die Rendite 10-jähriger Bundesoblis während sechs Monaten (Quelle: cash.ch)

Laut Patrick Häfeli, Strategieanalyst bei der St. Galler Kantonalbank (SGKB), ist die Risikoaversion an den Märkten stark angestiegen, entsprechend tief sind die Renditen gesunken. "Die Anleger suchen nach Sicherheit, und Schweizer Anleihen waren schon immer ein sicherer Hafen. Zudem hat die Wahrscheinlichkeit eines baldigen nächsten Zinsschritts in den USA nachgelassen, was die Zinsen weltweit gedrückt hat."

Die Experten von der SGKB gehen davon aus, dass die Rendite weiterhin sehr tief bleiben wird. "In den nächsten drei Monaten dürfte sie in etwa auf dem heutigen Niveau verharren. Auch innerhalb der nächsten zwölf Monate wird die Rendite kaum in den positiven Bereich gelangen", sagt Häfeli. Andererseits sei es auch nicht wahrscheinlich, dass die Rendite noch stark weiter fallen werde.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe war im April 2015 zum ersten Mal in den negativen Bereich gefallen. Bei kurzfristigen Anleihen verdiente die Eidgenossenschaft bereits länger Geld, da deren Renditen zuvor in den negativen Bereich gefallen waren. Der Bund muss bei der Geldaufnahme nun also nicht mehr Investoren entlöhnen, sondern nimmt bei der Ausgabe von Anleihen Geld ein. 

Investoren versuchen mit dem Kauf von Bundesanleihen, den Strafzins von -0,75 Prozent auf Girogelder bei der Nationalbank zu umgehen. Weil viele institutionelle Investoren ihre Gelder anlegen müssen, setzen sie auch insofern auf Bundesanleihen, da sie mit anderen Anlagevehikeln eine noch schlechtere Rendite erwarten. Einige Spekulanten hoffen auch auf einen profitablen Verkauf der Anleihen.