kommentar

Ein erstes Quartal mit viel Zündstoff

An den Börsen geht ein ausserordentliches erstes Quartal mit fetten Gewinnen zu Ende. Doch Anleger sollten wegen eines Eregnisses gewarnt sein.
27.03.2013 06:05
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Rund 15 Prozent hat der Swiss Market Index im ersten Quartal dieses Jahres zulegen können. Die Performance verdient wahrhaft das Prädikat "historisch". cash widmet dem aussergewöhnlichen Jahresbeginn der Börsen eine Serie von Artikeln, die am Mittwoch mit einem Beitrag über die besten (und schlechtesten) Schweizer Aktien startet und der sich weitere Artikel über die Ostertage anschliessen.

Die Börsenhausse, die nun seit Mitte 2012 andauert, lässt Vermögensverwalter gute Geschäfte machen, Pensionskassen aufschnaufen und Hobby-Trader jubeln. Doch ist uns allen wohl, wenn wir die scheinbar unaufhaltsam steigenden Kurse beobachten?

Nein. Nur die wenigsten Beobachter beurteilen die Hausse als Vorboten für eine nachhaltige und kräftige Erholung der Konjunktur. Dafür fehlt einer Mehrheit aber bislang die Evidenz, es fehlt an überzeugenden Mitteln, wie die Wirtschaft wieder auf die Beine kommen soll. Etwas resigniert und mittlerweile mitleidig beobachten wir etwa den schon seit einiger Zeit andauernden Kampf der US-Zentralbank, die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent zu drücken.

Mittlerweile weiss es fast jeder Handelsmittelschüler, dass die Börsenhausse nicht auf konjunktureller Erholung gründet, sondern auf der Nonstop-Liquiditätszufuhr und verbalen Interventionen der Zentralbanken. Diese zwingt die Anleger, riskantere Assets wie Aktien zu kaufen. Ich habe diese Stützung der Finanzmärkte vor sechs Monaten in einem Kommentar etwas überspitzt als "implizite Zentralbanken-Garantie für die Börsen" bezeichnet.

Allerdings hat sich im ersten Quartal ein politisches Ereignis zugetragen, welches durch die Zypern-Krise in den Hintergrund geraten ist und bei den Anlegern kaum noch Beachtung findet: Italien. Die chaotischen Parlamentswahlen vor einem Monat blieben ohne klare Mehrheiten. Die Bewegung des Anarcho-Clowns Beppe Grillo wurde stärkste Einzelpartei. Das Resultat las sich als klares Verdikt gegen die Eurozone und Austeritätsanstrengungen. Die Regierungsbildung verläuft schleppend, das Land ist gelähmt.

Vor solchen Szenarien haben viele Beobachter seit dem Ausbruch der Eurozonen-Krise immer wieder gewarnt. Man darf ruhig weiterdenken: Was passiert, wenn Populist Grillo nun doch in einer Koalition mitmacht? Wird er oder andere der EZB und der EU Forderungen stellen, weil er genau weiss, dass Italien "too big to fail" ist? Wird die EZB nachgeben? Wie reagieren dann andere Länder in der Eurozone? Und deren Wähler?

Das Problem Italien wird mit voller Wucht auftauchen und die Eurozone durchschütteln. Es hat kurz- und mittelfristig das Zeug, die internationale Börsenhausse in diesem Jahr zu zerstören. Und längerfristig nicht bloss das.