«Ein Reisebüro ist ein Risiko-Minimierer»

Seit der Euro-Untergrenze herrsche in der Reisebüro-Branche mehr Stabilität, sagt Christian Laesser im cash-Video-Intetview. Und der Tourismusprofessor sagt, ob es in 50 Jahren noch Reisebüros gibt.
10.09.2013 15:57
Von Ivo Ruch
Professor Laesser lehrt an der Universität St. Gallen.
Bild: cash

Den Schweizer Reisebüros geht es besser als auch schon. 2012 betrug der Umsatz pro Büro 5,1 Millionen Franken. Das sind zwar 9 Prozent mehr als im Krisenjahr 2011, aber immer noch deutlich weniger als in den Boomjahren 2007 und 2008.

Mit ein Grund für diese Erholung ist die Euro-Untergrenze, welche die Schweizerische Nationalbank (SNB) seit zwei Jahren durchsetzt, wie Christian Laesser im cash-Video-Interview bestätigt: "Die Untergrenze hilft bei der Planbarkeit des Geschäfts und ermöglicht den Kunden einen besseren Preisvergleich."

Der Professor für Systemisches Management und Public Governance an der Universität St. Gallen votiert deshalb auch in Zukunft für ein aktives Eingreifen der SNB – nicht nur zugunsten der Reiseanbieter: "Auch für den Kunden ist es besser, nicht mir monatlich wechselnden Preisen konfrontiert zu werden, weil die Wechselkurse stark schwanken."

Laesser hat zusammen mit dem Schweizerischen Reisebüro-Verband (SRV) an der Medienkonferenz am Dienstag über das Reisegeschäft Schweiz 2012/13 eine Studie vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die durchschnittlichen Nettorenditen seit dem Tiefpunkt von 2009 stetig angestiegen und gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozent gewachsen sind. Damit ist der Verband zwar zufrieden. "Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des SRV. Der Aufwärtstrend sei zwar positiv, allerdings sollte eine minimale Nettorendite von 2 Prozent erreicht werden, so Walter.

«Totgesagte leben länger»

Die Konkurrenz durch Online-Anbieter ist gross und liegt bei gut 50 Prozent aller Buchungen. Während Kunden unter 40 ihre Reisen mehrheitlich im Internet zusammenstellen, lassen sich Personen über 65 am liebsten im Reisebüro beraten. Aber: Die Gesamtzahl an Internetbuchungen hat in diesem Jahr erstmals stagniert.

So sieht Laesser die Reisebüros denn auch nicht dem Untergang geweiht: "Heute ist ein Reisebüro ein Risiko-Minimierer. Die Leute gehen ins Reisebüro, wenn sie viel Geld in die Hand nehmen, wenn eine Reise kompliziert ist, wenn sie zu faul sind oder wenn sie keine Zeit haben."

Auch Max E. Katz, Präsident des SRV, sieht im schwierigen Umfeld eine Chance. Er beschreibt den Zustand seiner Branche mit folgenden Worten: "Totgesagte leben länger."

Im cash-Video-Interview äussert sich Christian Laesser zudem zu den aktuellen Herausforderungen für die Reisebranche.