Einigung im griechischen Schuldenstreit rückt näher

Im griechischen Schuldendrama rückt eine Einigung näher. "Wir werden uns am 15. Juni mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent einigen", sagte der Chefkoordinator der Eurogruppe, Thomas Wieser, den "Salzburger Nachrichten" (SN) und den "Oberösterreich Nachrichten" (OÖN, Donnerstag).
08.06.2017 08:14

Griechenland benötigt im Juli dringend frisches Geld aus dem laufenden dritten Rettungsprogramm, um alte Schulden zurückzuzahlen. Die Eurogruppe hatten sich Mitte Mai noch nicht auf die Freigabe weiterer Hilfskredite einigen können und die Entscheidung darüber auf das nächste Treffen am 15. Juni in Luxemburg vertagt. Knackpunkt ist die Beteiligung des IWF, die vor allem Deutschland wünscht, die sich die Washingtoner Institution aber bislang offen hält.

Wiesers Worten zufolge rückt aber in diesem Zwist eine Lösung näher. Einigen werde man sich "so, dass der Internationale Währungsfonds dem Programm dem Grunde nach zustimmt, aber sagt, er werde keine Auszahlungen tätigen, bevor man sich nicht auf eine gemeinsame Schuldentragfähigkeitsanalyse geeinigt hat." Der IWF bleibe ökonomisch dabei, aber finanziell - derzeit - nicht, sagt "Mister Euro".

Seit 2010 erhält Griechenland internationale Kredite, vor allem weil das massiv überschuldete Land sich seit Jahren nicht mehr zu auskömmlichen Bedingungen Geld am freien Kapitalmarkt leihen kann. Mittlerweile läuft das dritte, im Sommer 2015 vereinbarte Hilfsprogramm mit einem Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro. Zahlungen erhält Griechenland allerdings nur in Teilsummen. Ob die einzelnen Tranchen ausgezahlt werden, hängt unter anderem vom Fortschritt der Reformen ab, zu denen sich Athen im Gegenzug verpflichtet hat.

Der IWF betont seit Monaten, dass die griechische Schuldenlast - zurzeit knapp 180 Prozent des Bruttoinlandproduktes - nicht mehr tragbar sei. Daher rührt die Forderung nach der Zusage weiterer Erleichterungen. Denn ohne das Zeugnis "tragfähige Schuldenlast" dürfte der IWF nach seinen eigenen Vorschriften kein neues Hilfspaket schnüren. Der Konflikt mit den Europäer dreht sich dabei auch darum, ob der IWF zu pessimistische Annahmen für das Wirtschaftswachstum der nächsten Jahre zugrunde legt./he/kf/DP/fbr

(AWP)