Einigung in Kattowitz - UN-Klimakonferenz beschliesst Rahmenvertrag gegen Erderwärmung

Knapp 200 Staaten haben sich im polnischen Kattowitz nach einem zweiwöchigen Verhandlungsmarathon auf Massnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung geeinigt.
15.12.2018 23:24
Wetterkapriolen führen vermehrt zu Schäden.
Wetterkapriolen führen vermehrt zu Schäden.
Bild: Pixabay

Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz verständigten sich Samstagnacht auf ein 156 Seiten umfassendes Regelbuch, in dem Maßnahmen und Kontrollen aufgelistet werden, durch die der globale Anstieg der Durchschnittstemperaturen bei maximal zwei Grad Celsius gedeckelt werden soll. Umweltschutzgruppen lehnten die Klimaregeln als unzureichend ab. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze erklärte: "Wir haben erreicht, dass sich zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt beim Klimaschutz in die Karten schauen lässt."

Das Regelbuch soll die Pariser Klimakonferenz von 2015 umsetzen, bei der das Zwei-Grad-Ziel beschlossen wurde. In dem neuen Regelbuch geht es beispielsweise darum, wie die Länder ihre nationalen Zusagen zur Reduzierung der Treibhausgase erfassen und berichten oder wie sie ihre Klimaschutzziele überarbeiten können. Der polnische Versammlungsleiter Michal Kurtyka erklärte, die Konferenzteilnehmer könnten stolz auf sich sein. Mit tausend kleinen Schritten hätten sie sich aufeinander zubewegt.

Die Umweltschutzorganisation WWF wertete die Übereinkunft als unzureichend. "Am Ende dieses Jahres der Wetterextreme sind die Regierungen der Welt noch immer weit entfernt davon, die nötigen Klimaschutzmaßnahmen anzupacken", sagte der Klima-Experte von WWF-Deutschland, Michael Schäfer. Nötig sei, dass die Bürger weltweit den Druck auf ihre Regierungen erhöhten. Der Naturschutzbund Deutschland monierte "gravierende Lücken" im Regelbuch. So sei die Begrenzung der Kohlendioxid-Emissionen aus der Holzverbrennung mangelhaft.

Umweltministerin Schulze hob hervor, zum ersten Mal werde es ab 2024 gemeinsame verbindliche Mindeststandards zur Berichterstattung der Staaten über ihre Treibhausgas-Emissionen geben. Von Kattowitz gehe das Signal aus, "dass wir beim Klimaschutz nicht stehen bleiben dürfen, sondern gemeinsam immer besser werden müssen".

Nach Angaben des deutschen Bundesumweltministeriums wird es ab 2023 alle fünf Jahre eine globale Bestandsaufnahme geben, wo die Welt beim Klimaschutz steht. Die Frage, ob Staaten ihre Klimaschutzmaßnahmen über Marktmechanismen wie CO2-Handel auch in anderen Staaten erbringen könnten, solle bei der nächsten Weltklimakonferenz 2019 in Chile geklärt werden. "Das Ergebnis von Kattowitz ist auch ein Erfolg für den Multilateralismus", sagte Schulze vor dem Hintergrund der ablehnenden Haltung von US-Präsident Donald Trump zu Klimaschutzmaßnahmen, der die Erderwärmung nicht für Menschen-gemacht hält. 

(Reuters)