ElCom warnt vor Abhängigkeit von Importen - "Eiszeit" bei Verhandlungen mit EU

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) warnt davor, bei der Stromversorgung auf eine "einseitige Importstrategie" zu setzen. Die Rolle der Regulierungsbehörde sei es, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass die Versorgungssicherheit immer auf einer angemessenen Stromproduktion im Inland basiere und dies bei politischen Entscheiden zu beachten sei, sagte ElCom-Präsident Carlo Schmid-Sutter am Schweizerischen Stromkongress am Freitag in Bern. Es brauche ein Backup. "Der reine Import ist gefährlich."
13.01.2017 11:43

Der Zubau der erneuerbaren Energien werde jedoch nicht ausreichen, die durch die schrittweise Abschaltung der Kernkraft wegfallende Stromproduktion zu ersetzen, so Schmid-Sutter weiter. Die Schweizer Energiekonzerne würden zudem unter den tiefen Strompreisen am Grosshandelsmarkt leiden, und diese mangelnde Ertragskraft verhindere Investitionen. Da Versorgungssicherheit an sich keinen ökonomischen Wert habe, werde niemand investieren, solange es sich nicht rentiert.

Bereits heute ist die Schweiz teilweise - vor allem im Winter - auf Importe angewiesen. Gleichzeitig exportiert sie zu anderen Zeiten. Atomkraft macht rund 40% der Schweizer Stromproduktion aus, soll langfristig aber nicht mehr genutzt werden. Dies sieht das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 vor, das vom Parlament verabschiedet wurde.

MARKTKOPPLUNG LÄSST AUF SICH WARTEN

Mit Blick auf die internationalen Beziehungen bezeichnete Schmid-Sutter unterdessen "das europäische Umfeld aus Sicht der ElCom" als "garstig". Die Haltung der Brüsseler Instanzen sei abweisend. "Auf unserer Ebene ist von Tauwetter nichts zu spüren, es herrscht Eiszeit."

Nicht nur werde die Marktkopplung im sogenannten Day-ahead-Handel (Stromlieferung am nächsten Tag) weiterhin vom Stromabkommen abhängig gemacht. Auch habe sich die Haltung der EU kurz vor Weihnachten noch einmal verhärtet: Die Schweiz solle nun auch vom gekoppelten Intraday-Handel "ausgeladen" werden, "dem wir seit längerem angehören". Im Intraday-Handel soll in der EU im Laufe des Jahres ein neues System zum Einsatz kommen. Gerade rechtlich ist die Teilnahme der Schweiz ohne Stromabkommen nicht geklärt, da sie sich dann automatisch EU-Vorschriften und -Prozessen (automatischer Datenaustausch etc.) unterwirft.

Gemeint ist mit Marktkopplung der gleichzeitige Handel von Strom und Netzkapazität an den Grenzen. Ohne die Kopplung müssten Stromhändler für den grenzüberschreitenden Energietransfer in Europa nach Beschaffung der Energielieferung die Transportkapazität im Netz separat ersteigern. Die Schweiz ist seit Juni 2013 im Intraday-Handel angebunden, die Anbindung im Day-ahead-Handel war ursprünglich einmal für Anfang 2015 vorgesehen.

Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative im Februar 2014 kommen die Verhandlungen zum Stromabkommen mit der EU jedoch nicht mehr voran. Technisch wäre die Schweiz für die Marktkopplung bereit.

Am 11. Schweizerischen Stromkongress befassen sich Angaben zufolge mehr als 400 Vertreter aus Politik und Wirtschaft mit Themen der schweizerischen Energielandschaft. Organisiert wird der Anlass vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und Electrosuisse.

ys/cp

(AWP)