Energiekrise - Bundesrätin Sommaruga rechnet mit Gasmangel in Winter

Wegen abnehmender Gas-Importe aus Russland rechnet Energieministerin Simonetta Sommaruga mit Engpässen im kommenden Winter. Beim Strom sehe es etwas besser aus, weil die Schweiz eine gute Stromproduktion habe.
03.07.2022 09:15
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga einer Medienkonferenz in Bern.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga einer Medienkonferenz in Bern.
Bild: cash Screenshot

Der Bundesrat habe zwar so gut wie möglich vorgesorgt, sagte Sommaruga in einem Interview mit der "SonntagsZeitung". Aber die Schweiz sei keine Insel. Es könne niemand garantieren, dass immer für alle genügend Gas vorhanden sei.

In der Schweiz heizten heute rund 300'000 Haushalte mit Gas. Sollte es zu einem Mangel beim Gas und beim Strom kommen, werde zuerst die Energie im Gewerbe und in der Industrie rationiert. Die Haushalte wolle der Bundesrat am längsten schonen.

Von Gas-Abhängigkeit wegkommen

Die Schweiz müsse so schnell wie möglich von der Gasabhängigkeit wegkommen. Wer jetzt noch seine Gasheizungen ersetzen könne, solle das tun. Bei den Wärmepumpen und den Pellet-Heizungen gebe es neue Rekordzahlen. Und es würden weiterhin viele neue Solaranlagen gebaut.

Zum Glück habe die Schweiz eine gute Stromproduktion. Es sei immer ihr Anliegen gewesen, mehr einheimischen Strom zu produzieren. Wegen des Ukraine-Krieges könne ein Strom-Mangel aber nicht ausgeschlossen werden, weil der Gasmarkt eng mit dem Strommarkt verflochten sei.

Die Energieministerin ruft deshalb die Kantone auf, noch mehr in den Ausbau von Solarstrom, Biogas sowie Wind- und Wasserkraftwerke zu investieren. Um die Versorgungssicherheit zu stärken, habe der Bundesrat beschlossen, auf den kommenden Winter eine Wasserkraftreserve zu schaffen.

Sommaruga hat sich bei der Stromproduktion zu Abstrichen beim Natur- und Landschaftsschutz bereit erklärt. Angesichts der drohenden Stromlücke könne man es sich nicht mehr leisten, 20 Jahre zu warten, bis eine Staumauer erhöht werden könne, sagte sie an der Sommertagung der SP in Biel. Sie sei keinesfalls der Meinung, dass man den ganzen Natur- und Landschaftsschutz aufgeben müsse, sagte Sommaruga am Samstag laut Mitschnitt von Radio SRF zu ihren sozialdemokratischen Parteigenossinnen und -genossen.

Die Schweiz werde aber massiv mehr Strom brauchen. Das bedeute, dass man Hand bieten müsse zu Projekten, die einen grossen Nutzen brächten und bei denen man den Schaden für die Landschaft möglichst tief zu halten versuche. "Anders wird es nicht gehen", sagte Sommaruga.

Bisher keine Abstriche bei Naturschutz

Um die Abhängigkeit vom Ausland zu senken, die inländische Stromproduktion zu erhöhen und den Ausbau der erneuerbaren Energie zu beschleunigen, hatte Sommaruga als Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) bereits eine Revision des Energiegesetzes in die Vernehmlassung gegeben. Es sah beschleunigte Verfahren für grosse Wind- und Wasserkraftanlagen vor.

Vor allem bürgerliche Parteien kritisierten an der Vernehmlassungsvorlage, dass diese die Einsprachemöglichkeiten der Natur- und Umweltverbände nicht beschneide und die sogenannte Güterabwägung zwischen Natur- und Landschaftsschutz auf der einen und der Stromproduktion auf der anderen Seite unangetastet lasse.

(AWP)