ENSI: Schweizer AKW nicht von Atomskandal in Frankreich betroffen

Brugg AG (awp/sda) - Die Schweizer AKW sind laut Aufsichtsbehörde ENSI nicht von den Unregelmässigkeiten bei der Fertigungskontrolle von Reaktordruckbehältern des französischen Atomkonzerns Areva betroffen. Alle Betreiber könnten eine vollständige Dokumentation vorweisen.
18.08.2016 16:30

Die AKW würden Schmiedeteile für die sicherheitsrelevanten Hauptkomponenten verwenden, deren Herstellungs- und Materialzeugnisse vollständig dokumentiert seien. Das schreibt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) am Donnerstag auf seiner Website.

Aufgrund von Unregelmässigkeiten bei der Dokumentation im französischen Schmiedewerk Le Creusot hatte die Aufsichtsbehörde ENSI die entsprechenden Nachweise gefordert. Auf Nachfrage der AKW-Betreiber habe Areva bestätigt, dass kein Schmiedeteil für die Hauptkomponenten eines Schweizer AKW von den Unregelmässigkeiten betroffen sei, hält das ENSI fest.

UNREGELMÄSSIGKEITEN BEI KONTROLLe

Die französische Aufsichtsbehörde ASN hatte im Frühling das ENSI darüber informiert, dass Unregelmässigkeiten bei den Fertigungskontrollen von Bauteilen wie Reaktordruckbehältern im Schmiedewerk Creusot Forge entdeckt worden waren. Das Werk gehört seit zehn Jahren als Tochterfirma zum Konzern Areva.

Der Atomkonzern Areva hatte zuvor mitgeteilt, es seien Unregelmässigkeiten in den Unterlagen zu AKW-Bauteilen entdeckt worden. Die Aufsichtsbehörde ASN sprach von "Unstimmigkeiten, Veränderungen oder Weglassen" bei Herstellungsparametern und Testergebnissen.

Die AKW Mühleberg BE und AKW Gösgen SO verwenden gemäss ENSI keine grossen Bauteile, die im Schmiedewerk Le Creusot gefertigt wurden. In den AKW Leibstadt AG und Beznau AG seien Schmiedeteile von Le Creusot im Einsatz. Diese seien jedoch vollständig dokumentiert und von den Unregelmässigkeiten nicht betroffen.

MATERIALFEHLER BEI BEZNAU 1

Das Schmiedewerk Creusot Forge produzierte 1965 den Reaktordruckbehälter für Beznau 1, später auch denjenigen für Beznau 2. Weil bei Revisionsarbeiten im Reaktordruckbehälter von Beznau 1 rund 925 Materialfehler entdeckt wurden, steht diese Anlage seit März 2015 still. Es handelt sich um fehlerhafte Materialstellen mit einer Grösse von 5 bis 6 Millimetern.

Die Herstellerfirma stellte laut AKW-Leitung bereits 1965 bei der Prüfungen einen kleinen Einschlussfehler im Material fest. Die Materialfehler seien nicht während des Betriebs des Reaktors entstanden. Der Einschluss sei eine Folge des Giessprozesses und der anschliessenden Verschmiedung.

Der Block 1 ist mit 47 Betriebsjahren der älteste kommerzielle Reaktor der Welt. Der Energiekonzern Axpo rechnet als Betreiber damit, dass der Reaktor Ende Jahr hochgefahren werden kann.

Axpo muss der Aufsichtsbehörde ENSI nachweisen, das der Reaktor sicher betrieben werden kann. Die Kosten für den Ausfall der Stromproduktion und für die aufwendigen Untersuchungen betragen gemäss Axpo bis Ende Jahr 200 Mio CHF.

mk

(AWP)