EQT - Schwedischer Gross-Fonds erwartet einen «Sturm»

EQT geht davon aus, dass es zu Turbulenzen an den Märkten kommen wird. Um sich dagegen zu wappnen, setzt der grösste nordische Buyout-Fonds auf die stabilsten Branchen.
13.05.2017 09:28
EQT hat den Sitz in Stockholm: Uferpromenade in der schwedischen Hauptstadt.
EQT hat den Sitz in Stockholm: Uferpromenade in der schwedischen Hauptstadt.
Bild: Pixabay

Da die Zentralbanken ihre Bilanzen schrumpfen müssen und politische Risiken im Anmarsch sind, sehe es so aus, als ob die Märkte Kurs auf einen veritablen Schock nähmen, sagt Thomas von Koch, der EQT Partners aus Stockholm leitet. Und da sich unterschiedliche Anlageklassen im Gleichschritt bewegen, bedeute dies, dass sich Investoren praktisch nirgendwo in Sicherheit bringen können.

EQT tue was möglich ist, um sein Unternehmens-Portfolio darauf vorzubereiten, "weil der Sturm kommen wird", sagt der Managing Partner von Koch im Interview mit Bloomberg am Sitz von EQT. "Es gibt eine Tornado-Warnung und wir befinden uns in der Prärie im Mittleren Westen der USA. Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass es uns trifft."

Für von Koch sind die Bewertungen von Anlagewerten enervierend hoch. Zudem würden viele Käufe über Schuldenaufnahme bezahlt, und es seien zu viele potenzielle Störfaktoren zu erwarten.

Sorge vor glücklosem Trump

Von Koch verweist auf die im historischen Vergleich umfangreichen Bilanzen von Federal Reserve, Europäischer Zentralbank und der Bank von Japan, die alle irgendwann mal abgebaut werden müssen, was Geld aus den weltgrössten Volkswirtschaften absaugen werde. Er sorgt sich auch, dass die Märkte drehen könnten, falls es US-Präsident Donald Trump nicht gelingt, wichtige Gesetzesvorhaben durch den Kongress zu bringen.

Wenn der "Mann der Veränderungen" nichts ändern könne, wenn er sich in Washington festfahre, "wie jeder andere auch", - dann bestehe das Risiko, dass sich die Geschäftswelt gegen ihn wende, sagt von Koch. "Das wäre ein interessantes Ereignis."

Es ist aber nicht alles Schwarzmalerei. Von Koch, der den EU-Ausstieg der Briten und Trumps Wahlsieg richtig prognostizierte, sagt auch, dass ihn die französischen Präsidentschaftswahlen "optimistischer im Hinblick auf Europa gestimmt haben" als er es lange Zeit war.

Digitalisierung des Imperiums

Für von Koch kann Private Equity andere Investoren übertreffen, weil man direkt beeinflussen könne, wie die Portfolio-Unternehmen geführt werden. EQT verstärkt sich mit Technologie-Spezialisten, um alle Ecken des Imperiums zu digitalisieren. Für den CEO ist das entscheidend, um beweglich zu bleiben und Auf-und-Abs an den Märkten zu überleben. Von den EQT-Mitarbeitern wird auch erwartet, im Hinblick auf Technologie und deren Nutzen für den Arbeitsplatz auf dem neuesten Stand zu sein. "Wir trinken unser eigenes Kool-Aid", sagt von Koch. "Wenn wir allen anderen sagen, sie müssen agiler werden, müssen wir bei uns selbst anfangen."   

Zu den stabilen Branchen, die EQT gefallen, zählen Breitband-Infrastruktur und Dienstleister im Gesundheitsbereich. Der Gesundheitsbereich "muss reformiert werden, und das kann nicht ohne den privaten Sektor getan werden", sagt von Koch. Im Oktober 2016 kaufte EQT in einer 2,35 Millaarden Dollar schweren Transaktion Press Ganey, eine Firma, die Analyse-Tools für Health-Care-Unternehmen anbietet.

EQT, zu deren Mitgründern Investor AB, die Holding der Wallenberg-Familie zählte, investiert in nicht börsennotierte Unternehmen, Immobilien, Infrastruktur und Unternehmensanleihen. Das Anlagevolumen der Fonds liegt bei rund 35 Mrd. Euro, 22 Mrd. Euro davon sind weltweit in Portfolio-Unternehmen investiert. Zuletzt ist EQT mit Anlagegeldern überschüttet worden, da sich institutionelle Investoren, und insbesondere Pensionsfonds, Private-Equity-Anlagen zuwenden, um ihre Erträge aufzubessern. EQT hat 2016 auch den Schweizer Reisekonzern Kuoni gekauft.

Erwartungen anpassen

Von Koch sagt aber, Investoren müssten anfangen, ihre Erwartungen anzupassen. "Seien wir ehrlich, die Erträge müssen sinken", sagt er, "die Kapitalbeschaffung in unserer Branche ist übermässig."

Wenn es allerdings zu einem Einbruch am Aktienmarkt komme, könne der Überfluss an Anlagekapital schnell schwinden. "Das Anlagekapital für unsere Branche könnte innerhalb eines Monats austrocknen", sagt von Koch. "Wir befinden uns in einem sehr wackligen Bereich, und niemand berücksichtigt das, wenn es zur Preisfindung der Anlagewerte kommt. Es wird nur als Goldgrube gesehen."

(Bloomberg)