Erhöhung des Rentenalters auf 65 spaltet Frauen-Organisationen

Die Frauenparteien und -organisationen stehen wegen der Reform der Altersvorsorge vor einem Dilemma. Sollen sie wegen 70 Franken mehr Rente im Monat dem Rentenalter 65 zustimmen, obwohl die Lohngleichheit nicht erreicht ist? Die CVP sagt Ja, andere Frauenparteien ringen mit sich; für Frauenrechtlerinnen wäre die Reform ein Rückschritt.
17.03.2017 19:05

"Die Reform bringt nur weitere Verschlechterungen für die Frauen", sagte Josiane Greub, Präsidentin des Schweizerischen Verbandes für Frauenrechte (SVF). Einer Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre könne der SVF erst zustimmen, wenn "wirkliche Gleichheit zwischen Frauen und Männern" erreicht sei, also unter anderem Lohngleichheit oder Chancengleichheit.

Der SVF werde bei der Nein-Kampagne mitmachen. In welcher Form, sei noch nicht entschieden. "Wir werden aber alles unternehmen, damit die Reform am 24. September abgelehnt wird".

"IN DEN SAUREN APFEL BEISSEN"

Die CVP-Frauen Schweiz wollen dagegen "in den sauren Apfel" beissen und die Reform unterstützen, wie deren Präsidentin Babette Sigg Frank am Freitag auf Anfrage sagte. Sie hätten einsehen müssen, dass die Lohngleichheit zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht zu erreichen sei.

Momentan sei die Reform die "beste Lösung". Wichtig sei, dass man jetzt eine Reform bekomme und nicht wieder bei Null beginne. Die 70 Franken Rentenerhöhung ab 2018 ist für Sigg Frank "besser als nichts" und zudem finanzierbar. Positiv sei aus Sicht der CVP-Frauen ausserdem die Senkung des Koordinationsabzugs, der zum tragen kommt, wenn eine Person mehr als eine Stelle gleichzeitig hat.

70 FRANKEN BEKOMMEN AUCH MÄNNER

Diese Senkung Punkt begrüsst auch die Generalsekretärin der FDP-Frauen Schweiz, Claudine Esseiva. Die Senkung sei eine guter Ansporn für Frauen, mehr zu arbeiten. Sinkt der Koordinationsabzug, können mehr Frauen in die Pensionskasse eintreten, und erhalten damit im Alter eine höhere Rente. Zugleich sinkt aber das Realeinkommen der Frauen.

Keine Freude haben die FDP-Frauen dagegen an den 70 Franken Rentenerhöhung. Damit würden Milliarden "aus dem Fenster geworfen", weil die 70 Franken nicht alleine den Frauen zu gute kämen, sagte Esseiva.

Wie die FDP-Frauen sich insgesamt zur Reform stellen werden, ist gemäss Esseiva noch nicht entschieden. Die Tendenz dürfte zu einem Nein gehen.

GRÄBEN BEI DEN SP-FRAUEN

Bei den SP-Frauen dürfte die Reform zu hitzigen Diskussionen führen. Die Reform war von SP-Bundesrat Alain Berset aufgegleist worden. Im Parlament hatten CVP und SP gemeinsam die 70 Franken Rentenerhöhung durchgesetzt - auch die SP-Parlamentarierinnen standen geschlossen hinter der Reform.

Gemäss der Generalsekretärin der SP-Frauen Schweiz, Gabriela Rothenfluh, stösst jedoch das Rentenalter 65 vielen SP-Frauen sauer auf, da die Lohngleichheit nicht erreicht ist.

Dabei gibt es zwei Flügel, die sich in der SP gegen die Vorlage stellen: Der Gewerkschaftsflügel und die jungen SP-Frauen. Der Entscheid fällt am 25. März bei der Mitgliederversammlung. Rothenbühler geht davon aus, dass die SP-Frauen sich zur Ja-Parole durchringen werden, obwohl die Reform "keine Glanzvorlage" sei.

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(AWP)