Erster Kirchenführer verlässt Trumps evangelikalen Beirat

Die Austrittswelle von Beratern von US-Präsident Donald Trump aufgrund seiner relativierenden Äusserungen zu rechtsextremer Gewalt hält an: Nach zahlreichen Unternehmens- und Wirtschaftsführern verliess am Freitag der erste Kirchenführer den evangelikalen Beirat des Präsidenten.
19.08.2017 10:29

Der US-Präsident habe mit seinen Äusserungen eine Grenze überschritten, sagte der Vorsitzende des Christian Cultural Center, A.R. Bernard, zur Begründung dem Sender CNN.

Trumps schwankende Haltung und sein Mangel an Führungsstärke habe ihn zu der Erkenntnis gebracht, "dass ich mich vollständig lösen muss", sagte Bernard weiter. Der Mangel des Präsidenten an Beständigkeit habe ihm gezeigt, wie sehr dieser von den "Meinungen seiner Umgebung" abhänge. "Und damit habe ich ein Problem", fügte der Afroamerikaner hinzu.

Sein Christian Cultural Center mit Sitz in Brooklyn zählt mit nach eigenen Angaben 37'000 Mitgliedern zu den grössten nicht konfessionsgebundenen Kirchen der USA.

"Ich wäre gerne in erster Linie Christ. Doch Amerika hat ein Umfeld geschaffen, das mich zwingt, in erster Linie ein Schwarzer zu sein, der in Amerika lebt", fuhr er fort. Das sei seine "Realität", "und das ist nicht dieselbe Realität, die viele der weissen evangelikalen Anführer erleben".

BERATER-SCHWUND

Am Rande des Aufmarschs hunderter weisser Rassisten und Rechtsextremisten am Samstag vergangener Woche in Charlottesville war ein 20-jähriger Neonazi offenbar bewusst in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren. Eine 32-jährige Frau wurde getötet, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt.

Trump machte anschliessend beide Seiten für die Gewalt verantwortlich und stellte damit die Gegendemonstranten auf eine Stufe mit den Rechtsextremisten.

Aus Protest gegen seine Äusserungen verliessen immer mehr Wirtschaftsführer Trumps Beratergremien, bis er zwei von ihnen komplett auflöste. Am Freitag dann löste sich der Ausschuss für die Künste und Geisteswissenschaften selbst auf.

mk

(AWP)