Ethos-Studie: Management-Vergütungen stiegen 2015 um 2% - Positiver Druck

(Mit Angaben von der Medienkonferenz ergänzt)
29.09.2016 14:33

Zürich (awp) - Laut Ethos haben die Manager der börsenkotierten Unternehmen im vergangenen Jahr mehr verdient. Für die Unternehmen gibt es dennoch auch Lob von der Anlagestiftung: Die Transparenz und das Bewusstsein für die Rechte der Aktionäre hätten sich verbessert.

Die Summe der Vergütungen, die an die Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte der 204 SPI-Unternehmen ausbezahlt wurden, ist 2015 gegenüber dem Vorjahr um 2% gestiegen. Das hat Ethos aufgrund der Abstimmungen zu den Vergütungen an den Generalversammlungen berechnet.

Ethos-Direktor Vincent Kaufmann stellte am Donnerstag vor den Medien vor allem bei den kleineren Unternehmen "einen gewissen Aufholeffekt" fest. Bei den ganz grossen Unternehmen habe es hingegen für einmal - auch wegen Einmaleffekten wie CEO-Wechsel - keine Steigerung gegeben.

SPENDABLE GROSSBANKEN

Die absoluten Beträge hätten gleichwohl auch bei den SMI-Unternehmen auf "global gesehen sehr hohem Niveau" verharrt. An die CEO der zwanzig SMI-Unternehmen seien im Schnitt 7,2 Mio CHF ausbezahlt worden, an die SMI-Verwaltungsratspräsidenten je 2,4 Mio CHF. Die Bandbreite ist bei den CEO-Löhnen (Roche: 15,6 Mio; Geberit: 1,8 Mio) und bei den VRP (Nestlé: 6,5 Mio; Actelion: 395'000 CHF) gross. Die höchsten "Vergütungspakete" wiesen laut Kaufmann die beiden Grossbanken auf.

Ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der variablen Vergütung und der Unternehmensleistung war laut der Anlagestiftung nicht systematisch vorhanden. Zum Beispiel habe bei der Hälfte der analysierten Unternehmen der Rückgang des operativen Gewinns nicht zu einer Verringerung des Bonus geführt.

FRAUENANTEIL UNTERDURCHSCHNITTLICH

Für ein Stirnrunzeln sorgt bei Ethos, dass gut die Hälfte aller SPI-Unternehmen über Schutzmassnahmen wie Vinkulierungen, Opting-out-Klauseln oder unterschiedliche Aktienkategorien (z.B. Namen- und Inhaberaktien) verfügen. Solche könnten zwar sinnvoll sein, weil sie Schutz vor kurzfristig orientierten Aktionärsgruppen böten, anerkannten die Ethos-Chefs.

Sie seien aber zugleich ein Risiko. Kaufmann forderte daher strengere Regeln bei der Einführung solcher Regeln. Zum Beispiel solle eine Opting-out-Regel nicht an einen neuen Aktionär übertragen werden dürfen.

Im Hintertreffen sei die Schweiz zudem, was den Frauenanteil in den Verwaltungsräten angehe. Bei den SPI-Firmen betrage er "bescheidene" 14%. In Frankreich (37%) sowie Deutschland und Grossbritannien (je 27%) sei der Anteil deutlich höher.

VERBESSERTE TRANSPARENZ

Doch es gab auch Lob: So hat sich laut Ethos die Transparenz der Vergütungssysteme markant verbessert. Die Stiftung schreibt dies den Bestimmungen der Minder-Initiative zu. "Es gibt mehr Druck auf die Verwaltungsräte, und das ist positiv", sagte Ethos-Präsident Dominique Biedermann.

Positiv gewürdigt wurde ausserdem, dass inzwischen 57% aller SPI-Firmen eine Obergrenze für variable Vergütungen hätten und diese in den allermeisten Fällen nicht das Dreifache des Fixlohnen ausmache. Zufrieden ist Ethos auch damit, dass immer weniger Unternehmen eine variable Vergütung an ihre Verwaltungsräte auszahlen.

STIMMZWANG FÜR FONDS?

Doch noch ist die "Aktionärsdemokratie" gemäss den Ethos-Vertreter noch lange nicht perfekt. Sie forderten unter anderem einen Stimmzwang für Anlagefonds an den GVs. Biedermann begründete dies damit, dass die Pensionskassen ihr Stimmpflicht zum Teil mit der Auslagerung von Aktienpaketen in Fonds umgingen.

Müssten die Fonds abstimmen, würde sich die Stimmbeteiligung an den GVs laut Biedermanns Schätzung um mindestens fünf Prozentpunkte erhöhen. Im letzten Jahr betrug sie 66%.

Weitere Forderungen - auch im Hinblick auf die anstehende Aktienrechtsrevision - sind eine niedrige Schwelle für Aktionärsanträge und eine prompte Veröffentlichung der genauen GV-Abstimmungsergebnisse im Internet. "Es ist ein riesiger Unterschied, ob ein Antrag mit 99% oder nur gut 50% angenommen wurde", so Biedermann. Heute würden aber nur zwei von drei SPI-Unternehmen genaue Resultate publizieren.

rw/ra

(AWP)