EU-Aussenminister warnen vor Brexit-Folgen für die Union

LUXEMBURG (awp international) - Kurz vor dem Brexit-Referendum warnen Aussenminister der Europäischen Union eindringlich vor einem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU. Ein Abschied wäre eine "tiefe Zäsur", der die Europäische Union verändern würde, sagte Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Wir verlieren Geschichte und Tradition Grossbritanniens innerhalb der Europäischen Union, die wichtig ist und war für uns."
20.06.2016 18:25

Steinmeier äusserte sich bei einem Treffen mit EU-Amtskollegen am Montag in Luxemburg. Auf den Gängen sei eine "gewisse nervöse Unruhe" spürbar gewesen, sagte er.

Ein Brexit hätte aus Sicht seines österreichischen Kollegen Sebastian Kurz "massiv negative Auswirkungen". Die EU würde wirtschafts-, aussen- und verteidigungspolitisch schwächer werden. Gleichzeitig wies er auf die positive Bedeutung Grossbritanniens für die EU hin. "Die Briten haben in der vergangenen Zeit immer wieder den Finger auch auf die Wunde gelegt, aufgezeigt, wo es Fehlentwicklungen gibt", sagte Kurz.

Der Luxemburger Jean Asselborn warnte die Briten. Wenn sie "Nein" sagten, werde das für die Briten kein gutes Ende nehmen. Das Referendum sei kein Experiment. Frankreichs Jean-Marc Ayrault wandte sich emotional an die Wähler: "Ich appelliere an die Briten, im Moment der Wahl die historische Dimension im Hinterkopf zu behalten."

Gelassener äusserte sich Spaniens Aussenminister José Manuel García-Margallo. Ein Brexit wäre "nicht der Anfang vom Ende" für die EU, sagte er. Zwar würde es anfangs Schwankungen auf den Finanzmärkten geben. Die Märkte dürften sich kurz- bis mittelfristig aber wieder stabilisieren, prognostizierte er.

Für die kommenden Tage wünscht sich Aussenminister Steinmeier noch mehr Aufwind für die Brexit-Gegner auf der Insel. "Wir hoffen sehr, dass die letzten Tage der innenpolitischen Auseinandersetzungen dazu führen, dass das Remain-Lager an Unterstützung gewinnt."/vge/aha/DP/jha

(AWP)