EU-Kommissar verteidigt geplante Neuzulassung von Glyphosat

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat die geplante Neuzulassung des umstrittenen Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat verteidigt. Weltweit seien 27 Agenturen übereinstimmend zum Schluss gekommen, das Mittel sei nicht krebserregend, betonte er am Dienstag vor dem Europaparlament in Strassburg.
13.06.2017 20:36

Es gebe eine "Konvergenz der wissenschaftlichen Meinungen". Daran müsse sich die Kommission halten und die Zulassung des Mittels verlängern.

Angesichts der Sorgen in der Bevölkerung solle die Zulassung jedoch auf zehn Jahre beschränkt werden, sagte der Kommissar. Im übrigen könnten die einzelnen EU-Staaten nationale Verbote erlassen - etwa für die Verwendung auf Spielplätzen oder in Parks.

Viele Abgeordnete reagierten empört. Unabhängige Analysen zeigten, dass Glyphosat möglicherweise krebserregend ist, betonte die maltesische Sozialistin Miriam Dalli. Die EU-Agenturen für Chemie und Lebensmittelsicherheit ECHA und EFSA hätten diese Studien nicht berücksichtigt.

VON MONSANTO BEEINFLUSST?

Mehrere Abgeordnete warfen den beiden Agenturen vor, sie hätten sich vom US-Konzern Monsanto, dem Hersteller des weltweit am meisten verwendeten Unkrautvernichtungsmittels Roundup, beeinflussen lassen.

Die Kommission ignoriere die wissenschaftliche Debatte über Glyphosat, kritisierte der niederländische Grüne Bas Eickhout. Andere Abgeordnete verwiesen auf die im März veröffentlichten "Monsanto Papiere". Sie legen nahe, dass dem Konzern bereits seit 1999 eine krebserregende Wirkung des Pestizids bekannt ist.

Vor allem Vertreter der Konservativen billigten die geplante Neuzulassung - mit dem Argument, die Landwirte in Europa benötigten diesen Stoff.

Der CDU-Abgeordnete Peter Liese erinnerte an eine Entschliessung des EU-Parlaments vom vergangenen Jahr. Damals hatte sich die EU-Volksvertretung für eine Neuzulassung ausgesprochen - aber nur für sieben Jahre. "Die Kommission sollte auf das Parlament hören."

ENTGEGENGESETZTE EINSCHÄTZUNGEN

Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte im März 2015 erklärt, Glyphosat sei "wahrscheinlich krebserregend". Die europäische Behörde EFSA stufte das Mittel jedoch einige Monate später als ungefährlich ein.

Sie berief sich dabei auf Forschungsergebnisse, ohne diese offenzulegen. Experten der ECHA befanden dann im vergangenen März, Glyphosat könne weder als krebserregend noch genverändernd oder gefährlich für die Fortpflanzung eingestuft werden.

Mehrere Grünen-Abgeordnete des EU-Parlaments haben mittlerweile Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingereicht, um eine Freigabe der von der EFSA unter Verschluss gehaltenen Studien zu erzwingen. Sie werfen der Behörde vor, sie wollten die Glyphosathersteller schützen, die eine der Studien finanziert haben sollen.

Die Kommission hatte Mitte Mai angekündigt, sie wolle Gespräche mit den Mitgliedstaaten über eine Verlängerung der Zulassung um zehn Jahre aufnehmen.

(AWP)