EU-Kommissarin: Brexit spielt keine Rolle bei Prüfung von Börsenfusion

FRANKFURT/BRÜSSEL (awp international) - Bei der EU-Prüfung der geplanten Fusion von der Deutschen Börse und dem Londoner Konkurrenten LSE spielen die möglichen Brexit-Folgen keine Rolle. "Es wäre nicht seriös, den Brexit zu berücksichtigen", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager der "Börsen-Zeitung" (Donnerstag). Schliesslich hätten bislang nicht einmal die Verhandlungen über den britischen EU-Austritt begonnen. "Wir können keine Szenarios entwerfen, um sie bei der Prüfung des Falls in Erwägung zu ziehen", sagte Vestager: "Das wäre blosses Rätselraten."
06.10.2016 11:00

Die Dänin bekräftigte, dass es Bedenken gegen den Zusammenschluss gebe. "Wenn wir entscheiden, mit einem Verfahren in die vertiefte Prüfung zu gehen, dann müssen wir gute Gründe dafür haben." Noch könne sie aber nicht sagen, ob sich die Bedenken erhärten. Die EU-Kommission hat bis 13. Februar 2017 Zeit, über die Börsenfusion zu entscheiden.

Die Börsen haben sich bereits bemüht, Brüssel entgegenzukommen. So stellte die Londoner Börse den Verkauf ihres französischen Clearingeschäfts in Aussicht. Vestager wollte diesen Schritt nicht kommentieren. Sie lobte aber "ganz generell", dass viele Firmen heute gut vorbereitet sind, wenn sie Fusionsvorhaben anmelden: "Das ist gut so."

Die beiden Börsenbetreiber hatten angekündigt, ihren im März ausgehandelten Deal im Lichte der Brexit-Entscheidung noch einmal zu justieren. An dem ausgehandelten Machtverhältnis soll sich allerdings nichts mehr ändern. Festgelegt ist, dass die Deutsche Börse gut 54 Prozent an dem gemeinsamen Konzern halten und Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter das Gemeinschaftsunternehmen führen soll./enl/jha/stb

(AWP)