EU-Kommission startet vertiefte Prüfung von Syngenta-Übernahme durch ChemChina

(Meldung ergänzt, Statement Syngenta)
28.10.2016 18:16

Brüssel/Basel (awp) - Die EU-Kommission tritt bei der angepeilten Übernahme von Syngenta durch den chinesischen Chemiekonzern ChemChina auf die Bremse. Die Brüsseler Behörde will den geplanten Deal ausführlich unter die Lupe nehmen und leitet eine vertiefte Prüfung ein, wie sie am Freitag in Brüssel ankündigte.

Die im Visier stehenden Firmen haben ihre Kooperation angekündigt. Beide Unternehmen beabsichtigen, die konstruktiven Gespräche mit den EU Behörden fortzuführen, um die Prüfung so bald wie möglich abschliessen zu können, heisst es in einem Statement von Syngenta am Freitagabend.

AUSWIRKUNGEN AUF PREISE UND ANGEBOT WERDEN UNTERSUCHT

"Die Transaktion würde zum Zusammenschluss eines führenden Pflanzenschutz-Unternehmens mit einem seiner Haupt-Wettbewerber führen. Deshalb müssen wir sorgfältig abwägen, ob die beabsichtigte Fusion zu höheren Preisen und einem reduzierten Produktangebot für die Landwirte führt", wird EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in der Mitteilung zitiert.

Die Kommission will den Angaben zufolge prüfen, ob der geplante Kauf den Wettbewerb im Bereich der Pflanzenschutzmittel und der Bereitstellung bestimmter dafür benötigter Chemikalien einschränken könnte. Die Behörde habe vorläufige Bedenken gegen das Vorhaben, heisst es. Die angebotenen Produkte der beiden Unternehmen überschnitten sich stark, die gemeinsamen Marktanteile seien in vielen Märkten vergleichsweise hoch.

ChemChina hatte im März das Kaufangebot für Syngenta vorgelegt und bietet 465 USD in bar je Syngenta-Namensaktie - insgesamt rund 43 Mrd USD - sowie zuzüglich eine Sonderdividende von 5 CHF. Die Angebotsfrist läuft bis zum 8. November 2016, kann aber erneut verlängert werden.

FRIST BIS MÄRZ 2017

Die EU-Kommission hat nach eigenen Angaben ab dem 31. Oktober 90 Tage Zeit, also bis zum 15. März 2017, um einen Beschluss zu erlassen. Angesichts der weltweiten Aktivitäten der Unternehmen arbeite die Kommission eng mit anderen Aufsichtsbehörden zusammen, etwa mit der US-Handelskommission oder den Behörden in Brasilien und Kanada.

Am Montag hatte Berichte an der Börse für Unruhe gesorgt, wonach ChemChina bei den EU-Kartellbehörden keine Zugeständnisse machen wolle. Syngenta hat sich zudem von dem ursprünglichen Zeitplan verabschiedet und geht nun davon aus, dass sich der regulatorische Prozess bis ins erste Quartal 2017 erstrecken wird, wie CEO Erik Fyrwald anlässlich der Vorlage der Drittquartalszahlen erklärte.

Im vergangenen Jahr hatten die Schweizer eine Offerte des US-Konkurrenten Monsanto abgewehrt, der nun selbst von Bayer für 66 Mrd USD geschluckt werden soll.

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(AWP)