EU meldet konkrete Bedenken gegen Mega-Fusion in Chemieindustrie an

(mit weiteren Einzelheiten ergänzt)
11.08.2016 18:14

Brüssel (awp/sda/dpa/reu) - Die EU-Wettbewerbshüter vertiefen ihre Prüfung der geplanten 130-Milliarden-Dollar-Fusion der US-Chemiekonzerne DuPont und Dow Chemical. Nach einer ersten Untersuchung könnte sich die Fusion auf dem Markt für Pflanzenschutz-Mittel negativ auf Preise, Qualität, Auswahl und Innovationen auswirken, teilte die Brüsseler Behörde am Donnerstag mit.

Zudem würden auch in der Saatgut-Branche und im Bereich der Herstellung von sogenannten thermoplastischen Kunststoffen Einschränkungen des Wettbewerbs nicht ausgeschlossen.

Die Existenzgrundlage der Bauern hänge davon ab, dass sie zu wettbewerbsfähigen Preisen Zugang zu Saatgut und Pflanzenschutzmitteln hätten, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

"Wir müssen sicherstellen, dass der geplante Zusammenschluss nicht zu höheren Preisen oder weniger Innovation bei diesen Produkten führt." Nachdem erste Untersuchungen einige Bedenken ergaben, leitete die Brüsseler Behörde nun eine eingehende Prüfung ein. Diese soll bis zum 20. Dezember abgeschlossen sein. Sollten die Vorbehalte fortbestehen, könnte die Behörde den Unternehmen Auflagen machen oder den Zusammenschluss untersagen.

Die US-Chemiegiganten Dow Chemical und Dupont hatten ihre Fusionspläne Mitte Dezember öffentlich gemacht. Mit der neuen Dowdupont soll zunächst der weltgrösste Chemiekonzern noch vor dem alten Spitzenreiter BASF entstehen. Nach dem Zusammengehen soll der Konzern aber in drei einzelne und jeweils börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Die Chemieindustrie befindet sich seit längerem in einem Konzentrationsprozess. Für die noch nicht abgeschlossene Übernahme des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta will der chinesische Staatskonzern ChemChina umgerechnet 44,2 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.

Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer wiederum will für 64 Milliarden Dollar den amerikanischen Konkurrenten Monsanto kaufen. Damit würde Bayer zur weltweiten Nummer eins im Agrarchemiegeschäft aufsteigen. Auch hier ist eine Einigung noch ausstehend.

(AWP)