EU-Politiker: 'Weiter so' in der EU ausgeschlossen

BRÜSSEL (awp international) - In der EU mehren sich die Stimmen, die unabhängig vom Ausgang des britischen EU-Referendums dafür plädieren, grundsätzlich über die Europäische Union nachzudenken. Ein "Weiter so" könne es nicht geben, hiess es am Donnerstag über die Parteigrenzen hinweg.
23.06.2016 18:15

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici rief die EU zu tiefgreifenden Reformen auf. "Wir müssen Europa grundlegend verändern", sagte der französische Sozialist den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Europa brauche "einen Neustart". Moscovici fügte hinzu: "Es ist klar, dass Europa weniger populär ist, als es einmal war." Die Menschen seien von Europa enttäuscht. "Es wäre allerdings die falsche Antwort, die EU aufzugeben. Wir brauchen eine europäische Zusammenarbeit, die Jobs und Wachstum schafft, die Flüchtlingskrise löst und die Aussengrenzen sichert", sagte der Kommissar. "Das ist die Lehre aus dem britischen Weckruf. Wir müssen zuhören - und verstehen, was die Bürger wollen."

Europas Grünen-Chef Reinhard Bütikofer betonte im Fernsehsender Phoenix: "Wir können uns nicht zurücklehnen, ein "Weiter so" ist ausgeschlossen. Wir müssen liefern, was die Bürger von uns erwarten."

Am Mittwoch hatte auch der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), für eine Reflexionsphase plädiert. "Wir müssen nachdenken. Was läuft schief? Wie konnte es dazu kommen?", sagte Weber in Brüssel. Der belgische Premier Charles Michel forderte sogar ein Konklave der europäischen Staats- und Regierungschefs. Ein solches Extra-Treffen der Chefs könnte ein "Zeichen der Hoffnung" sein, sagte der liberale Regierungschef dem belgischen Sender VRT./ik/DP/she

(AWP)