EU-Ratspräsident kritisiert Trumps Europa-Politik

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, gegen ein "geeintes und starkes Europa" zu sein. Erstmals in der Geschichte gebe es eine US-Regierung, die einem einigen Europa wenig "Enthusiasmus" entgegenbringe, und das sei noch "milde formuliert", sagte Tusk am Samstag im polnischen Lodz.
10.11.2018 20:16

Dort nahm Tusk an einer Veranstaltung zum 100. Jahrestag der polnischen Unabhängigkeit am 11. November teil.

Seine Vorwürfe gegen den US-Präsidenten basierten auf Tatsachen und nicht auf Propaganda, führte der EU-Ratspräsident weiter aus. So habe Trump etwa vor einem halben Jahr "praktisch mit seiner eigenen Hand" die bisher stets übliche Versicherung der sieben westlichen Industrienationen aus ihrer G7-Gipfelerklärung in Kanada herausgestrichen, wonach "wir die auf unseren Prinzipien und Werten basierende Ordnung respektieren wollen".

In einem Interview mit der Zeitung "Gazeta Wyborcza" hatte Tusk zuvor bereits dem US-Präsidenten vorgeworfen, eine Welt anzustreben, in der die USA nur noch vereinzelten Staaten gegenüber stehen. Trump hält sich seit Samstag anlässlich der Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren in Frankreich auf.

Mit Blick auf die Europawahlen im nächsten Jahr warnte Tusk zudem vor dem Erstarken rechtspopulistischer, anti-europäischer Kräfte. Auch in Polen, wo er kürzlich das "todernste Risiko" eines Polexit ausgemacht hatte, warnte er vor Nationalismus und forderte die politisch Verantwortlichen auf, sich für die EU stark zu machen: Wer gegen eine starke Präsenz Polens in der EU sei, "arbeitet de facto gegen unsere Unabhängigkeit", mahnte er.

(AWP)