EU will Durchbruch für schadstofffreie Autos

Die EU hat eine drastische Senkung ihrer Klimagase bis zum Jahr 2030 versprochen. Dafür müssen mehr schadstofffreie Autos auf die Strassen. Die Kommission in Brüssel setzt auf die Strategie "Zuckerbrot und Peitsche".
23.04.2017 12:26

Die ab 2021 in der Europäischen Union geplanten neuen Abgas-Grenzwerte für Autos sollen "ehrgeizig" werden. Dies kündigte EU-Vizekommissionspräsident Maros Sefcovic in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa zum Start der Hannover Messe an.

Die EU will zudem Geld für Ladestationen für Elektro- und Brennstoffautos locker machen. Beides soll sauberer Technik zum Durchbruch verhelfen, um die EU-Klimaziele zu erreichen und dicke Luft in Städten zu verbessern.

Sefcovic will Ende Mai ein Massnahmenpaket für umweltfreundlichen Verkehr präsentieren. "17 Prozent der Klimagase der EU stammen aus dem Strassenverkehr, und jährlich sterben 450'000 Europäer vorzeitig wegen schlechter Luft", sagte der Slowake, der in der EU-Kommission für Energiefragen zuständig ist. "Das ist ein klarer Hinweis, dass wir etwas tun müssen."

Unabhängig davon sei es "für die Autoindustrie und für Europa sehr wichtig, dass hier die besten Autos der Welt gebaut werden - die saubersten, sichersten und effizientesten."

BESCHLEUNIGTES UMDENKEN DANK SKANDAL

China mache grosse Fortschritte bei E-Autos. Dagegen habe der Erfolg der europäischen Autobauer beim Verbrennungsmotor "dazu verleitet anzunehmen, dass wir bei Technologien wie Brennstoffzellen oder E-Autos nicht ganz so stark sein müssen", sagte Sefcovic. Das ändere sich nun. Der VW-Abgas-Skandal habe das Umdenken beschleunigt. Sobald sich emissionsfreie Autos durchsetzten, habe sich das Thema erledigt.

"Wir müssen sicherstellen, dass der Anteil schadstofffreier Autos Schritt für Schritt wächst und bis 2030 einen erheblichen Teil der Flotte ausmacht", meinte Sefcovic. Die finanzielle Unterstützung für den Aufbau von Ladestationen solle rasch fliessen. "Die Lösungsvorschläge müssen wir schon dieses Jahr machen." Erwogen wird laut Sefcovic eine Finanzierung mit Hilfe der Europäischen Investitionsbank und mit EU-Einnahmen aus dem Emissionshandel.

Die nötigste Infrastruktur an alternativen "Tankstellen" entlang der grossen transeuropäischen Strecken würde nach seinen Worten rund 1,5 Milliarden Euro kosten. "Das ist kein unerschwinglicher Betrag", sagte der EU-Kommissar.

Gleichzeitig will er in Europa die nötige Technik für automatisierten Verkehr und vernetzte Autos aufbauen. "Wir wären damit der erste Kontinent, der die Infrastruktur für zwei zentrale Projekte hätte: alternative Antriebe und selbstfahrende und vernetzte Autos. Damit wären wir auf gutem Weg, im Autobau eine Supermacht zu bleiben." Sefcovic besucht am Sonntag und Montag die Hannover Messe.

(AWP)