EU will Meldepflichten für Derivatehandel etwas lockern

Zehn Jahre nach den Anfängen der globalen Finanzkrise will die EU-Kommission einige ihrer Auflagen für den Handel mit sogenannten Derivaten lockern. Das solle Unternehmen Milliarden sparen, aber die Stabilität der Finanzmärkte nicht beeinträchtigen, sagte Vizepräsident Valdis Dombrovskis am Donnerstag in Brüssel. Er kündigte gleichzeitig eine Prüfung bis Juni an, wie die EU die Folgen des Brexit für das sogenannte Derivate-Clearing bewältigen will.
04.05.2017 16:24

Wegen der dramatischen Folgen von Spekulationen während der Weltfinanzkrise hatte die EU 2012 vor allem Meldepflichten für den nichtbörslichen Handel mit Derivaten eingeführt. Das sind Finanzprodukte, die Risiken bündeln und so für die Käufer wie Versicherung etwa gegen Währungskurs- oder Zinsschwankungen wirken. Es geht um einen Markt von mehr als 500 Billionen Dollar.

Als wichtigste Reform der damals eingeführten Verordnung namens EMIR schlägt Dombrovskis einfachere Meldepflichten vor, insbesondere für Firmen, die sich mit Derivaten absichern. Viele Informationspflichten werden auf die Mittler übertragen, die sogenannten Zentralen Gegenparteien oder CCP. Pensionsfonds, die sich ebenfalls mit Derivaten gegen langfristige Marktrisiken absichern, sollen für weitere drei Jahre vom zentralen Clearing befreit sein.

Mit Blick auf den Brexit steht die EU vor dem Problem, dass ein Grossteil des sogenannten Clearing von Eurogeschäften im Derivatemarkt über London abgewickelt wird. Brüssel will sicherstellen, dass EU-Regeln für diese Geschäfte auch nach dem EU-Austritt Grossbritanniens gelten und durchgesetzt werden. Denkbar seien verschiedene Optionen, darunter die Verlagerung der Abwicklung auf EU-Gebiet, sagte Dombrovskis.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sprach sich für diese Variante aus: "Die europäische Aufsicht braucht effektive Durchgriffsrechte und das geht am besten auf europäischem Boden." Das Europäische Parlament werde dies sicherstellen./vsr/DP/he

(AWP)