Euphorie ist weg - Wie war das nun mit dem starken Dollar?

Die hohen Erwartungen an einen starken Dollar sind vorerst verflogen, nachdem die US-Währung in den vergangenen fünf Monaten deutlich nachgegeben hat. Ob es noch weiter nach unten geht, oder ob es zur Trendwende kommt.
30.05.2017 06:54
Von Marc Forster
Die US-Währung hat sich abgeschwächt: Dollarnoten im Druck.
Die US-Währung hat sich abgeschwächt: Dollarnoten im Druck.
Bild: Pixabay

Die Dollar-Euphorie, wie sie zur Jahreswende herrschte, ist vorerst einmal vorbei. Im Rückblick muss man sagen: Sie war auch etwas herbeigeredet.

Der Index DXY ist von 103,29 Dollar kurz vor Weihnachten auf heute 97,35 Dollar gefallen. Dieser Index misst die US-Währung an einem Währungskorb aus Euro, Yen, Pfund, dem Kanada-Dollar, der Schwedenkrone sowie dem Franken. Da mehr als die Hälfte der Gewichtung der Euro trägt, zeigt der DXY in hohem Grad identisch mit dem Dollar-Euro-Kurs.

Der Dollar-Index DXY in den vergangenen zwölf Monaten (Grafik: Bloomberg)

Aber auch zum Franken verhält sich die US-Währung so wie zu anderen Währungen. War der Dollar Mitte Dezember noch bis zu 1,0344 Dollar wert, fiel der Kurs in den vergangenen fünf Monaten auf 0,9744 Franken. ABN Amro hatte Ende November 2016 noch einen möglichen Dollarkurs von 1,17 Franken innerhalb der folgenden zwölf Monate prognostiziert.

Der Kursanstieg im vergangenen Jahr war angetrieben durch drei wesentliche Faktoren: Die relativ robste Verfassung der US-Wirtschaft, die Erwartung einer unternehmensfreundlichen Politik unter Präsident Donald Trump sowie die Zinsanhebungs-Politik der Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, welche den Dollar als Anlagewährung wieder attraktiver macht.

Nun hat "der Markt die 'Trump trades' wieder ausgepreist", sagt Florian Weber, Analyst bei der Bank J. Safra Sarasin. Das Zutrauen in Steuersenkungen oder einen Abbau der Regulation unter der neuen US-Regierung sei stark gesunken. "Der Dollar-Kurs würde wohl noch tiefer liegen, wenn die Fed nicht dabei wäre, die Zinsen anzuheben. Aber ohne Stimulus von der Fiskalpolitik her kann die Fed die Zinsen nicht schneller anheben", sagt Weber.

Der US-Leitzins liegt seit März im Zielband von 0,75 bis 1 Prozent. Die Notenbank in Washington stellt angesichts eines Wirtschaftswachstums von fast zwei Prozent und vergleichsweise tiefer Arbeitslosigkeit zwei weitere Zinsschritte in Aussicht.

 

Im Kontrast dazu liegt der Leitzins der Eurozone bei Null, während die Schweizerische Nationalbank bekanntermassen einen Negativzins von 0,75 definiert hat und auch nicht gedenkt, dies alsbald zu ändern. Aus Sicht von Felix Adam, CEO des Währungsexpertise-Unternehmens ACT Currency, prägt diese Zinsdiffrenz die Dollar-Entwicklung massgebend: "Die Zinsdifferenz schätze ich als den wichtigeren Treiber ein als die Politik von Präsident Trump."

Wegen der Zinsdifferenz sinke das Wechselverhältnis zwischen der amerikanischen und der schweizerischen Währung kaum gegen 90 Rappen oder noch tiefer, sagt Währungsanalyst Adam. Auf der andern Seite sei auch die Luft nach oben begrenzt: "Der Dollar-Franken-Kurs wird sich in den nächsten Monaten in einer Bandbreite zwischen 0,95 und 1 bewegen. Alles darüber wäre eher hoch." Der Dollar werde auch in zehn Jahren nicht über 1,10 Franken steigen, denn die USA wollten keinen so starken Dollar, sagt Adam.

SNB freut es nicht

Damit können Anleger, die mit Dollar handeln oder in Dollar-Anlagen investiert sind, kaum auf eine deutlich steigende US-Währung setzen. Florian Weber von J. Safra Sarasin erwartet zwar ein Ansteigen des Dollars zum Euro, aber auch ein Stärkerwerden des Frankens zum Euro. Die Folge: "Im Wechselkurs Dollar-Franken sehen wir in nächster Zeit wenig Bewegung."

Ein Dollar-Franken-Kurs unter 1 setzt die Nationalbank weiter unter Druck. Denn die Schweizer Währunghüter könnten die Zügel beim Euro-Franken-Verhältnis etwas schleifen lassen, wenn der Dollar deutlich erstarken würde. Es käme der SNB gelegen, wenn wenigstens eine der zwei wichtigsten Fremdwährungen für die Schweizer Wirtschaft nicht allzugrosse Probleme macht, das heisst nicht allzu stark abwertet. Das Szenario, das Florian Weber entwirft, wird die Nationalbank indessen wenig erfreuen und weiterhin Interventionen zur Stabilisierung des Euro-Kurses erfordern.