Euro auf Sieben-Monats-Hoch zum Franken

Deutlich über 1,08 gegen den Euro: Der Franken schwächt sich am Montag gegen die europäische Gemeinschaftswährung weiter ab und erreicht ein Niveau wie nie seit der Abschaffung der Kursuntergrenze.
10.08.2015 16:10
Von Daniel Hügli
Für den Franken bekommt man derzeit deutlich weniger Euro als noch vor ein paar Wochen.
Für den Franken bekommt man derzeit deutlich weniger Euro als noch vor ein paar Wochen.
Bild: Bloomberg

Der Franken wertet sich am Montagnachmittag bis auf 1,0844 gegen den Euro ab. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar zeigte sich der Franken nicht mehr so schwach gegen den Euro. Einzig Ende Februar erreichte das Kurspaar Werte um 1,0810.

Die Chancen stehen gut, dass der Franken weiter nachgeben wird - zumindest aus charttechnischer Sicht. "Bei 1,0810 ist vorerst mit gutem Widerstand zu rechnen. Ein Durchbruch dort öffnet den Weg weiter bis 1,0850 und dann 1,0915", schreiben die Chartanalysten der Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar.

Für die gegenwärtige Schwäche des Frankens gibt es einige Gründe. Abgesehen von der griechischen Schuldenkrise präsentiere sich die Eurozone derzeit so gut wie schon lange nicht mehr, schrieben Ökonomen der VP Bank letzte Woche. Neben so hohen Auftragseingängen deutscher Firmen, wie seit über vier Jahren nicht mehr, sieht die Bank auch eine spürbare wirtschaftliche Erholung in den schuldengeplagten Ländern der Eurozone, etwa in Spanien.

Die Schweizer Volkswirtschaft leidet hingegen unter der Frankenaufwertung seit Mitte Januar. Sie wird laut VP Bank nach bisherigem Stand im laufenden Jahr kaum über ein Wachstum von 0,7 Prozent hinaus kommen. Der Bund geht in seiner Prognose derzeit von einem BIP-Wachstum von 0,8 Prozent aus.

SNB, Exporteure und Touristiker schnaufen auf

Aufhorchen lassen auch die am Donnerstag veröffentlichten Angaben zur Konsumentenstimmung in der Schweiz. Der Privatkonsum ist traditionell die stärkste Wachstumsstütze. Im Juli sank der Konsumentenstimmungsindex auf den tiefsten Wert seit fast vier Jahren.

Auf Devisenmarktinterventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dürfte die Abwertung des Franken nicht zurückzuführen sein, da sich die Sichteinlagen der Banken bei der SNB in letzter Zeit nicht wesentlich verändert haben.  Die Sichteinlagen gelten als Indiz dafür, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken zum Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Girokonten gut.

Die SNB wird sich auch ohne ihr Dazutun über die Abwertung des Franken freuen. Die Zentralbank hält die Schweizer Währung für massiv überbewertet. Auch die Schweizer Exporteure und die Tourismuswirtschaft werden die Franken-Schwäche mit Wohlwollen registrieren.