Eurokurs: Die Nationalbank hat interveniert

Der Sieg von Donald Trump lässt die Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen steigen. Der Franken zeigt sich unberührt - ziemlich sicher mit Hilfe der Nationalbank.
09.11.2016 11:11
Von Daniel Hügli
Beim Lieferanteneingang der Schweizerischen Nationalbank in Zürich.
Beim Lieferanteneingang der Schweizerischen Nationalbank in Zürich.
Bild: cash

Zum Euro steht der Franken aktuell bei 1,0816. Das ist sogar mehr als der Stand von 1,0789 am Dienstagabend, bevor die Auszählung der Stimmen im US-Wahlkampf begann. Zeitweise war der Franken auf 1,0752 gestiegen. Eigentlich hätte man verwarten können, dass der Franken in der Nacht zum Mittwoch einen Stand von etwa 1,06 erreichen könnte - wie nach dem Brexit-Votum im Juli.

Das weckt Vermutungen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) bereits im Devisenmarkt aktiv war und ist, um den Franken vor einer Aufwertung gegen die Europäische Gemeinschaftswährung zu schützen. Denn andere Anlageklassen, die wie der Franken als sichere Häfen gelten, legen am Mittwoch deutlich zu: Die Feinunze Gold liegt 3,7 Prozent im Plus.

Eine Bestätigung der SNB gibt es nicht. Doch die Vermutungen bestätigt die St. Galler Kantonalbank. "Die SNB ist am Markt mit Interventionen punktuell aktiv", schreibt Anlagechef Thomas Stucki in einer Einschätzung. Wichtig sei aber, wo der Franken nächste Woche stehe und nicht am heutigen Mittwoch abend. Stucki, ehemaliger Anlagechef der SNB, deutet damit an, dass der Franken weiter unter Aufwertungsdruck steht und dass die SNB wohl weiter wird intervenieren müssen.

"Die Bewegung in den Schweizer-Franken-Wechselkursen legt nahe, dass die Schweizerische Nationalbank kräftig am Devisenmarkt interveniert hat", erklärten auch die Analysten der Commerzbank. Die Notenbank hatte im Vorfeld bereits angekündigt, wenn nötig am Devisenmarkt einzugreifen, um den Franken zu schwächen und damit die heimische Exportwirtschaft zu stützen. Ein SNB-Sprecher wollte sich am Mittwoch nicht dazu äußern.

Andere Marktteilnehmer hingegen gingen von höchstens geringfügigen Devisenkäufen der Schweizer Währungshüter aus. Sie begründeten den stabilen Kurs mit der Flucht vieler Anleger aus dem Dollar: Die Investoren würden stattdessen Euro kaufen - und damit für einen schwachen Franken im Vergleich zu der Gemeinschaftswährung sorgen. "Die Bewegung aus dem Dollar in den Euro erledigt die Arbeit für die SNB", sagte Peter Rosenstreich, Marktstratege beim Broker Swissquote, gegenüber Reuters.

Der Dollar hat gegen den Franken bis 2,3 Prozent abgewertet, der Kurs steht derzeit bei 0,9795 und damit nur noch 0,2 Prozent im Minus.

Der mexikanische Peso brach zum Dollar zeitweise um 13 Prozent ein. Das ist der grösste Absturz seit der Währungskrise und der Abwertung im Jahr 1994. Die Währung hat sich zu einer Barometer dafür entwickelt, welche Siegchancen die Märkte Trump geben. Dessen Politikvorschläge gelten für Mexiko als sehr nachteilig.

Viele Anleger fürchten, dass auf den Wahlsieg Trumps eine Welle ökonomischer Unsicherheit folgen könnte. Trump hat gedroht, als Präsident das Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko neu zu verhandeln und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen.

Der britische Economist sieht die Lage mittlerweile so: