Europa - Alexander Stubb - Ein Ironman will den EU-Top-Job

Alexander Stubb will Nachfolger werden von Jean-Claude Juncker als Vorsitzender der EU-Kommission. Es ist der mächtigste Job des Kontinents. Wer ist Stubb?‎
06.10.2018 11:05
Alexander Stubb, Ex-Ministerpräsident Finnlands und Langdistanz-Triathlet..
Alexander Stubb, Ex-Ministerpräsident Finnlands und Langdistanz-Triathlet..
Bild: Bloomberg

Als Triathlon-Athlet hat Alexander Stubb einen langen Atem. Den wird er für sein nächstes Projekt auch brauchen: Der Ex-Ministerpräsident von Finnland will die europäischen Konservativen in den Europawahlkampf nächstes Jahr führen. An seine Kollegen im Europäischen Parlament schrieb Stubb am Dienstag, er sei ein "erklärter Pro-Europäer" und wolle die europäischen Werte verteidigen. Bei einem Sieg darf er sich Chancen ausrechnen auf den mächtigsten Job des Kontinents - die Spitze der EU-Kommission. Bislang einziger Rivale in der Europäischen Volkspartei (EVP) ist deren Fraktionschef, der CSU-Vize Manfred Weber.

Der 50-jährige Finne verfügt über viele Eigenschaften, die in Brüssel gefragt sind. Als ehemaliger Regierungschef bringt er das nötige Selbstbewusstsein mit, um mit den meinungsstarken Staats- und Regierungsspitzen der EU auf Augenhöhe zu sprechen. Zudem hat er über die Jahre in anderen Positionen in der finnischen Regierung gearbeitet, unter anderem als Finanzminister und Chef des Außenressorts. Von 2004 bis 2008 war er Abgeordneter des Europaparlaments. Er spricht fünf Sprachen fließend, darunter Deutsch. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel parlierte er am Rand von langwierigen EU-Gipfeln immer wieder ausführlich. Akademischen Feinschliff bekam er am Europakolleg in Brügge - die Universität gilt als Kaderschmiede der EU.

Eine weitere große Leidenschaft ist der Ausdauersport. Als Marathon-Läufer und Triathlet ist er ständig auf Trab. Highlight war für ihn der Start beim legendären Ironman-Wettbewerb auf Hawaii. Das anstrengende Rennen absolvierte er in gut elf Stunden. Er sei unter den Wettkämpfern aus aller Welt der einzige Politiker gewesen und entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten im linken Teil des Feldes gestartet, witzelte der Konservative danach.

Der Aufwand für den Sport lohnt sich aus seiner Sicht. Eine Stunde Training gebe ihm täglich zwei Stunden mehr Energie. Die Ausdauer würde er am Sitz der Kommission im Brüsseler Berlaymont-Gebäude auch brauchen. Geografisch ist er derzeit nicht weit von der EU-Hauptstadt entfernt. Seit über einem Jahr ist er Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg. Stubb ist mit einer Anwältin verheiratet und hat zwei Kinder. Die EVP entscheidet Anfang November auf einem Kongress in Helsinki, wen sie ins Rennen schickt.

Stubb schrieb in seinem Brief, er wolle dafür sorgen, dass Europa das Vakuum in der Weltpolitik fülle, das die USA und Großbritannien durch ihre "freiwillige Marginalisierung" geschaffen hätten. "Es ist Zeit, dass wir uns zusammen für ein starkes Europa einsetzen", schrieb Stubb. "Wir müssen besser darin werden zu betonen, was uns eint als was uns trennt", ergänzte er mit Blick auf den Streit zwischen Ost und West in der Flüchtlingspolitik und zwischen Nord und Süd in der Finanzpolitik. 

(Reuters)