Europas Bankenaufseher hoffen auf Kompromiss bei Kapitalregeln

FRANKFURT (awp international) - Europas Bankenaufseher sehen weiter Chancen für eine baldige Einigung auf globale Regeln für die Berechnung von Risiken in den Bilanzen von Kreditinstituten. "Wir befinden uns in der letzten Phase der Verhandlungen und haben viele Fortschritte gemacht", sagte der Chef der EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA, Andrea Enria, am Dienstag auf einer Finanzkonferenz in Frankfurt. Es gebe aber noch einige heikle Punkte, die zu einem "exzessiven Anstieg" des Kapitalbedarfs europäischer Banken führen könnten. Dies wollten die globalen Regulierer eigentlich vermeiden.
15.11.2016 15:13

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger äusserte die Hoffnung, in diesem Jahr das künftige Regelwerk für die Banken endgültig festzulegen. "Das Bank-Geschäft ist global geworden", sagte die Aufseherin. "Dem muss die Regulierung folgen, um Stabilität zu gewährleisten." Die im sogenannten Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Bankaufsichtsbehörden aus den führenden Wirtschaftsnationen wollen in den nächsten Wochen einen Kompromiss für künftigen Vorgaben für die Risikoberechnung der Banken finden. So sollen die Bilanzen der Institute einfacher zu vergleichen sein und mehr Vertrauen in die Kalkulationen entstehen.

Bislang können die Banken oft ihre eigenen Modelle verwenden, was dazu führt, dass für ähnliche Finanzanlagen oft ganz unterschiedliche Risiken angenommen werden. Dem wollen die Aufseher mit stärker standardisierten Modellen entgegenwirken. Damit sollen die nach der Finanzkrise 2007/08 beschlossenen strengeren Regeln für Banken - Basel III genannt - feingeschliffen werden.

Unter Europas Banken gibt es die grosse Sorge, dass damit ihr Kapitalbedarf gerade auch für bislang wenig riskantes Geschäft wie Baufinanzierungen kräftig ansteigt. EBA-Chef Enria versicherte, diese Sorgen ernst zu nehmen. "Wir müssen dafür sorgen, dass ein Anstieg der Kapitalanforderungen immer auch sachlich begründet ist." Die deutschen Verhandlungsteilnehmer im Baseler Ausschuss von Bafin und Bundesbank hatten zuletzt mit einem Scheitern der Verhandlungen gedroht, wenn es nicht weitere Zugeständnisse gibt.

Unabhängig von den Entscheidungen im Baseler Ausschuss wollen die Bankenaufseher der EZB in den nächsten drei Jahren die Risikomodelle der Kreditinstitute genau untersuchen, wie Lautenschläger ankündigte. Damit sollten künftig zu grosse Unterschiede in der Risikoberechnung der Banken ausgeschlossen werden.

Die europäische Bankenabwicklungsbehörde warnte unterdessen nach der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten vor einer zu starken Lockerung der Regeln für Banken. Nach einer Phase ständig verschärfter Vorschriften sei es zwar durchaus normal und richtig, über den Sinn der Vorgaben zu diskutieren, sagte Behördenchefin Elke König. "Wir müssen aber aufpassen, dass das Pendel nicht mit zu viel Schwung in die andere Richtung schlägt."

König warnte zugleich vor zu grossen Mutmassungen über die Politik des künftigen US-Präsidenten. Die konkreten Schritten müssten erst mal abgewartet werden. Trump hatte kurz nach seiner Wahl bekräftigt, sich die nach der Finanzkrise verschärften US-Bankengesetze vorzuknöpfen. Sein Team werde das Gesetzespaket aus­ei­n­an­der­neh­men und durch neue Richtlinien ersetzen, um Wachstum zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin sprach sich in der vergangenen Woche für Kontinuität und Berechenbarkeit in der Banken-Regulierung aus./enl/stw/jha/

(AWP)