Experte entwickelt Software zum Blockieren extremistischer Videos

Washington (awp/sda/afp) - Ein US-Computerexperte hat Software zum Blockieren extremistischer Internet-Videos entwickelt. Die Software wurde am Freitag (Ortszeit) vom Counter Extremism Project vorgestellt, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Verbreitung von Videos mit Enthauptungen und Folter zu verhindern.
18.06.2016 12:09

Das Projekt zur Bekämpfung von Extremismus im Internet wird von früheren Diplomaten und anderen früheren Staatsbediensteten aus den USA und anderen Ländern betrieben. "Dies ist nach unserer Ansicht die technische Lösung für den Kampf gegen Online-Extremismus", sagte Projektleiter Mark Wallace.

Der Entwickler, Computerwissenschaftler Hany Farid von der Universität Dartmouth, sagte: "Wir entwickeln eine Technologie, die es den Unternehmen ermöglicht, ihre Standards korrekt und effizient durchzusetzen." Die Unternehmen seien ohnehin gezwungen, solche Videos einzeln unzugänglich zu machen. Dies gehe bislang jedoch nur "langsam" vonstatten, bemängelte Farid.

Das Counter Extremism Project lehnt sich an die Software PhotoDNA an, die von vielen Unternehmen genutzt wird, um Kinderpornographie aus dem Internet abzublocken.

Bedenken bei Sozialen Netzwerken

Bei den sozialen Netzwerken gibt es aber offenbar Bedenken, ob politischer Extremismus in ähnlicher Weise abgeschirmt werden kann. "Kinderpornographie unterscheidet sich stark von Extremismus", sagte ein Vertreter der Branche, der nicht namentlich genannt werden wollte. Es sei nicht klar, wer festlegen solle, was etwa unter "terroristisch" zu verstehen sei.

Projektleiter Wallace sagte, er stelle sich auf eine "harte Debatte" ein. Nach seiner Ansicht sollte aber Einigkeit darüber bestehen, dass "Videos mit Enthauptungen, Ertränken und Folter entfernt werden". Zur Festlegung der Kriterien schlagen die US-Entwickler ein Nationales Büro zur Beobachtung von Extremismus vor.

Der Vater eines Opfers der Pariser Anschläge vom November reichte in dieser Woche in den USA eine Klage gegen soziale Internet-Netzwerke mit dem Vorwurf ein, Extremisten eine Plattform für ihre Gewaltideologien und Rekrutierungen zu bieten. Er verklagte Facebook, Twitter sowie den YouTube-Mutterkonzern Google.

Die Netzwerke hätten "wissentlich" den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützt und somit zahlreiche Attentate möglich gemacht, hiess es in der Klage. Ohne die Netzwerke wäre das "explodierende Wachstum" des IS "nicht möglich gewesen".

(AWP)