EZB-Aufseher: Lizenzen im Brexit-Fall nur für gut geführte Banken

Die EZB-Bankenaufsicht legt im Brexit-Fall strenge Massstäbe an wechselwillige Auslandbanken an. "Wir werden nur gut kapitalisierten und gut geführten Banken Lizenzen gewähren", sagte die Vize-Chefin der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Sabine Lautenschläger, am Montag in Frankfurt.
27.03.2017 12:10

Verlässt Grossbritannien den EU-Binnenmarkt, hätten in London angesiedelte Banken ein Problem: Sie benötigen für Dienstleistungen wie Einlagen- und Kreditgeschäft in der Europäischen Union rechtlich selbstständige Töchter mit Sitz in einem EU-Staat. An diesem Mittwoch will die britische Premierministerin Theresa May den Scheidungsantrag in Brüssel einreichen. Dann beginnen die auf zwei Jahre befristeten Verhandlungen mit der EU über die Modalitäten.

Lautenschläger betonte, die EZB-Aufsicht werde genau überwachen, wie Banken ihre Aktivitäten im Euroraum aufstellen. "Es gibt Bedenken, dass Banken die Zersplitterung zwischen nationalen und europäischen Aufsichtsregimen ausnutzen, um den besten Deal für sich zu erzielen", sagte die Aufseherin, die auch Mitglied des EZB-Direktoriums ist. Die EZB beaufsichtigt seit November 2014 die grössten Bankengruppen im Euroraum direkt ("Single Supervisory Mechanism"/SSM).

Im zähen Ringen um international abgestimmte Kapitalregeln für Banken dringen die EZB-Aufseher auf eine Einigung. "Wir müssen den Basel-III-Prozess so schnell wie möglich abschliessen", mahnte Lautenschläger. Im Kern geht es darum, wie Banken Kreditrisiken kalkulieren. Davon hängt ab, mit wie viel Eigenkapital Geschäfte abgesichert werden müssen. Viele Grossbanken in Europa berechnen dies mit internen Modellen, die USA favorisieren Standardvorgaben./ben/DP/tos

(AWP)