EZB äussert sich positiv zu Unternehmensbond-Kaufplan

Die Europäische Zentralbank wertet ihr Kaufprogramm für Unternehmensanleihen als Erfolg. Sie kaufte unter anderem Glencore-Bonds und Schulditel, die als Ramsch eingestuft sind.
07.08.2016 14:10
Die EZB kaufte unter anderem Bonds der schweizerisch-britischen Bergbaufirma Glencore.
Die EZB kaufte unter anderem Bonds der schweizerisch-britischen Bergbaufirma Glencore.
Bild: cash

Erste Daten bestätigen die Erwartung, dass die Käufe von Unternehmensbonds positive Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung haben, sagt die Europäische Zentralbank. Die Emissionen von neuen Papieren haben angezogen und die Renditen sind gefallen, sagte die in Frankfurt beheimatete Institution in einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel ihres Wirtschaftsberichts. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie sind in den nachfolgenden Grafiken zusammengefasst.

Die EZB begann mit den Käufen am 8. Juni und jüngste Daten zeigen, dass sie bis zum 29. Juli für 13,2 Mrd. Euro von Unternehmen im Euroraum begebene Anleihen der Kategorie Investment Grade gekauft hat.

Die Käufe seien gut diversifiziert nach Ratings, Sektoren, Ländern und Emittenten, erklärte die EZB. Konsumgüter-Unternehmen profitierten in den ersten Wochen des Programms am stärksten, sie spiegeln auch wieder, was die Konjunkturerholung in der Region anschiebt.

EZB kauft Glencore-Bonds

Die Notenbank erwarb unter anderem Papiere des Lebensmittelherstellers Danone, des Bergbaukonzerns Glencore und der Versicherungsgesellschaft Mapfre sowie von Unternehmen wie Lufthansa und Telecom Italia, deren Bonds von mindestens einer Ratingagentur mit Junk eingestuft werden.

Bonds kommen für das Programm in Frage, wenn sie mindestens ein Investment-Grade-Rating haben. Die EZB muss nicht verkaufen, wenn sie herabgestuft werden. Die Ratings der bisher erworbenenen Bonds bewegten sich zwischen ’AA’ und ’BBB-’, die Mehrheit hatte ein Rating von ’BBB+’, was die Verteilung am Markt widerspiegelt.

Die Renditen der erworbenen Anleihen lagen zwischen etwa minus 0,3 Prozent, knapp über dem EZB-Einlagensatz von minus 0,4 Prozent, bis über 3 Prozent. Etwas mehr als 20 Prozent der Käufe erfolgten zu einer negativen Rendite, wie aus dem Artikel hervorgeht.

Keine Ausweitung wegen Brexit

Die EZB erklärte, dass die Auswirkung des Programms unmittelbar nach seiner Vorstellung am 10. März erheblich gewesen sei. Eine Ausweitung der Spreads nach dem britischen Brexit-Votum wurde rasch revidiert.

In den zwei Wochen nach der Ankündigung sanken die Unternehmensanleihe-Spreads nicht nur für die Papiere, die die EZB kaufen würde, sondern auch für nicht in Frage kommende Papiere wie von Banken begebene Bonds oder Bonds mit einem Rating unterhalb Investment Grade.

Während die Emissionen zu Beginn des Jahres angesichts der erhöhten Unsicherheit an der Finanzmärkten gedämpft waren, erholten sie sich beträchtlich, nachdem das EZB-Programm angekündigt wurde, ist in der Studie zu lesen. Vorläufige Daten würden signalisieren, dass die Emissionen im zweiten Quartal 2016 deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre waren, heisst es weiter.

(Bloomberg)