EZB nach Brexit-Votum in Lauerstellung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz gestiegener Konjunkturrisiken nach dem Brexit-Votum ihr Pulver vorerst trocken.
21.07.2016 15:30
Die EZB-Zentrale in Frankfurt.
Die EZB-Zentrale in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

"Wir kamen zum Schluss, dass wir noch nicht genügend Informationen haben, um Entscheidungen zu treffen", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Die Notenbank werde die Entwicklung an den Finanzmärkten und die Konjunktur genau beobachten. In den kommenden Monaten könne sie voraussichtlich besser beurteilen, wie es um die Wirtschaft im Währungsraum bestellt sei. "Wenn es zur Erreichung der Ziele gerechtfertigt ist, wird der EZB-Rat handeln, indem er alle verfügbaren Instrumente innerhalb seines Mandats einsetzt."

Die Währungshüter tasteten die Leitzinsen erwartungsgemäss nicht an. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Notenbankgeld liegt damit weiter auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Ihre monatlichen Wertpapierkäufe will die EZB wie geplant bis mindestens Ende März 2017 oder wenn nötig auch länger fortsetzen. Zudem bekräftigten Draghi und Co., dass die Leitzinsen voraussichtlich für längere Zeit auf dem aktuellen oder sogar einem noch tieferen Niveau liegen werden.

«Brexit hat Wirtschaft in der Euro-Zone nicht aus der Bahn geworfen»

Das Brexit-Votum hat nach Einschätzung von Draghi die Wirtschaft in der Euro-Zone nicht aus der Bahn geworfen. Die Finanzmärkte seien der erhöhten Unsicherheit und Volatilität mit "Mut und Belastbarkeit" begegnet. Vorliegende Daten würden ein anhaltendes Wirtschaftwachstum im Währungsraum im zweiten Quartal signalisieren. Allerdings dürfte es geringer ausfallen als zu Jahresbeginn. Auswirkungen auf die Inflationsaussichten scheine das Brexit-Referendum nicht gehabt zu haben.

Die Briten hatten am 23. Juni überraschend für einen EU-Austritt ihres Landes gestimmt und damit zeitweise Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst. Mehr Daten zu den Auswirkungen dürfte der EZB-Rat im September haben. Dann werden ihm zur Zinssitzung neue Inflations- und Wachstumsprognosen der Notenbank-Ökonomen vorliegen.

(Reuters)