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Faber: «Keine US-Zinserhöhung 2015»

Die US-Notenbank wird in diesem Jahr die Leitzinsen nicht erhöhen, sagt der als Crash-Prophet bekannte Schweizer Börsenexperte Marc Faber. Er nennt im cash-Börsen-Talk Aktien, die über- und unterbewertet sind.
30.04.2015 01:00
Von Daniel Hügli
Marc Faber im Börsen-Talk im Hotel Regina in Zürich.
Bild: cash

Noch Ende letzten Jahres waren sich viele Anleger sicher, dass die US-Zentralbank die Leitzinsen wenn vielleicht nicht im April, dann spätestens im Juni erhöhen werde. Doch schlechte Daten der Wirtschaftsentwicklung in den letzten Monaten haben diese Sicht ziemlich verändert. Die letzte Enttäuschung kam am Mittwoch: Die US-Wirtschaft wuchs von Januar bis März annualisiert um lediglich 0,2 Prozent. Das entspricht einer faktischen Stagnation und ist der schwächste Zuwachs seit einem Jahr.

Bezüglich Zinserwartungen geht der international bekannte Schweizer Börsenexperte Marc Faber nun noch einen Schritt weiter: "Meiner Meinung nach gibt es in den USA in diesem Jahr keine Leitzinserhöhung", sagt Faber im cash-Börsen-Talk"Die US-Wirtschaft hat sich in den letzten sechs Monaten wesentlich verlangsamt". Die Stärke des Dollar habe einen negativen Einfluss auf die Wirtschaftslage in den USA und die US-Unternehmensgewinne, so Faber. Dazu passt, dass auch die Konsumlaune der Amerikaner im April rückläufig war.

Die US-Notenbank hält den Leitzins bereits seit Ende 2008, als die globale Finanzkrise ihren Höhepunkt hatte, auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Einige Investoren wie etwa "Bond-König" Bill Gross sagen, die Fed werde die Zinsen bloss deshalb erhöhen, um die "Null" hinter sich zu lassen - auch wenn es nur dazu diene, zu beweisen, dass die US-Notenbank nicht für eine sehr, sehr lange Zeit bei null bleiben müsse.

Laut Faber, der im Norden Thailands wohnt und in Hongkong sein Büro hat, hat die Federal Reserve offenbar Bedenken, dass sich eine Zinssatzerhöhung negativ auf die Börsen und Obligationenmärkte auswirken würde. "Ich nehme zwar an, dass wir uns international in einer Talsohle bei den Zinsen befinden. Das heisst aber nicht, dass die Zinsen in nächster Zukunft stark steigen werden". Daher werde auch der US-Dollar kaum mehr gross zulegen, so Faber.

Steigt die Börse weiter?

Bei einem vorläufigen Stillstand der US-Zinsen nahe null wären weiteren Börsenanstiegen eigentlich Tür und Tor geöffnet. Nein, sagt der bald 69-jährige Faber, der auch Mitglied des bekannten Anlegerrates "Barron's Round Table" ist. "Die US-Börsen werden nicht mehr wesentlich steigen. Wir sind eher an einem Höhepunkt des Börsenzyklus als an einem Tiefpunkt", so Faber im Börsen-Talk. Sprich: Die Märkte werden zwar zunehmend schwanken, aber ein wirklicher Absturz ist hingegen auch nicht wahrscheinlich.

Seit seinem Tief bei 666 Punkten im Jahr 2009 hat der breit gefasste US-Index S&P 500 kräftig zugelegt und steht mittlerweile bei über 2100 Punkten. Das Plus in diesem Jahr beträgt allerdings "bloss" noch 3 Prozent. Die Party findet anderswo statt: Der Deutsche Leitindex Dax hat in diesem Jahr über 20 Prozent zugelegt.

Als überbewertet sieht Faber, der im Jahr 1987 den Börsencrash - den so genannten Black Monday - vorausgesagt hatte und seither den Namen "Crash-Prophet" mit sich trägt - speziell in den USA die Aktien von Biotech-, High-tech- und Social-Media-Unternehmen. Aktien in der Ölbranche seien relativ günstig bewertet im Vergleich zur Gesamtbörse. Deutlich unterbewertet beurteilt Faber die Titel von Gold- und Silberminenbetreibern. Er nennt hier Titel wie Newmont Mining, American Barrick, Novagold oder Freeport-McMoRan

Faber selber hat in seinem Schweizer Portfolio einige Änderungen vorgenommen. Schweizer Versicherungswerte wie Zurich, Swiss Re oder Swiss Life hat er "zum Teil" verkauft, weil diese Gesellschaften dem Zwang unterliegen, Staatsanleihen zu kaufen. "Die Erträge dieser Gesellschafen werden wohl eher enttäuschen, während zum Beispiel Nestlé wegen der Präsenz in Schwellenländern noch leicht wachsen kann."

"Man muss den SNB-Professoren gratulieren"

Die Hände lassen sollen Anleger von europäischen Staatsobligationen, die mittlerweile grösstenteils tiefere Renditen aufweisen als US-Staatsanleihen. "Das ist eine völlige Verzerrung der Märkte, ausgelöst durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank". 

Anders als viele Ökonomen nimmt Faber die Auflösung der Kursuntergrenze der Schweizerischen Nationalbank relativ gelassen hin. Ein Fehler sei nicht die Eliminierung der Mindestgrenze gewesen, sondern deren Einführung und vor allem das, was dazwischen geschah: "Man muss den Professoren an der Spitze der Nationalbank eigentlich gratulieren, dass sie so ungefähr die schlechteste Währung ausgewählt haben, um den Franken anzubinden", sagt Faber in einem Anflug von Sarkasmus. Er erwartet, dass sich der der Franken zum Euro weiter aufwerten wird.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Marc Faber detailliert zur Geldpolitik der SNB, zu seinen Preiserwartungen beim Gold und dazu, welche Währung Anleger derzeit à la baisse "spielen" sollten.