Fahrplanwechsel mit Licht und Schatten für Bahnreisende nach Süden

Bellinzona (awp/sda) - Mit der Inbetriebnahme des neuen Gotthard-Basistunnels im Dezember werden sich Bahnfahrten von und ins Tessin erheblich verkürzen. Südlich von Bellinzona müssen Bahnreisende allerdings ein wenig mehr Zeit einplanen, und auf der Strecke Locarno-Domodossola wird das Angebot leicht ausgedünnt.
11.11.2016 11:00

Auf dem Weg von Bellinzona in Richtung Süden muss die SBB gleich zwei Gross-Projekte bewältigen: Einerseits den Ceneri-Basistunnel, der die Reisezeit nach Lugano verkürzen wird, und andererseits den Ausbau des 4-Meter-Korridors für den Gütertransport. Beide Vorhaben sollen bis 2021 umgesetzt werden.

Kurzfristig verursachen diese Massnahmen sowie Baustellen auf italienischem Gebiet eine Verlängerung der Fahrzeiten. Für den neuen Fahrplan ab Dezember 2016 könne die Fahrt von Lugano nach Mailand Hauptbahnhof in Eurocity-Zügen neu bis zu 86 Minuten dauern statt wie bislang 67 Minuten, teilte die SBB-Sprecherin Roberta Trevisan am Donnerstag auf Anfrage mit.

Sie bestätigte damit eine entsprechende Meldung der Tessiner Tageszeitung "La Regione". Es seien "Pufferzeiten" eingeführt worden, um die Pünktlichkeit der Züge für die Kunden gewährleisten zu können, so Trevisan.

Zum Vergleich: Im Jahr 2005 benötigte ein Eurocity für die Strecke Lugano - Milano noch 59 Minuten - selbst 1964 brauchte der damalige Trans Europ Express nur 64 Minuten.

Die gesamte Linie Zürich - Mailand stelle eine planerische Herausforderung dar, weil es sich um zwei sehr stark frequentierte Bahnknotenpunkte handle und die Züge nur in genauen "Slots" in die Bahnhöfe einfahren könnten. Alle Bauarbeiten auf dieser Achse würde die Planung zusätzlich erschweren, so Trevisan.

VERÄNDERTE NUTZUNG ERWARTET

Die Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels geht auch an der Linie Locarno - Domodossola nicht spurlos vorüber - sie wird von den Ferrovie Autoliniee Regionali Ticinesi (FART) und der italienischen SSIF betrieben.

Eine Analyse in diesem Sommer habe ergeben, dass in Zukunft die Zahl der touristischen Nutzer zunehmen könnte, teilte die FART am Donnerstag auf Anfrage mit. Diese könnten die Centovalli-Bahn als Verbindung zwischen der Simplon- und Gotthardlinie nutzen.

Der wöchentliche Pendlerverkehr werde dagegen voraussichtlich abnehmen. Die FART reagiert darauf in ihrem neuen Fahrplan und streicht die Verbindung um 18.48 Uhr von Locarno in Richtung Domodossola. Schon bislang seien auf dieser Verbindung nur durchschnittlich rund 13 Fahrgäste unterwegs gewesen.

Ausserdem werde ab dem Fahrplanwechsel im Dezember der letzte Direktzug von Domodossola schon um 19 Uhr und nicht wie bislang um 20.25 Uhr abfahren. So könnten auch bessere Anschlüsse zur Lötschberg-Linie gewährleistet werden.

Der neue Fahrplan fällt laut der FART auch in eine Testphase - in einem Jahr wolle man erneut prüfen, wie sie sich der Gotthard-Basistunnel auf die eigenen Nutzerzahlen ausgewirkt habe.

mk

(AWP)