Fed-Chef - Jerome Powell sucht die Nähe zu Politikern

Während Kritik des US-Präsidenten auf ihn einprasselt, sucht Notenbankchef Jerome Powell verstärkt den Kontakt zum Parlament.
28.10.2018 04:51
Jerome Powell, Gouverneur der US Federal Reserve.
Jerome Powell, Gouverneur der US Federal Reserve.
Bild: Bloomberg

Weit öfter als seine Vorgängerin Janet Yellen hat sich der Spitzenmann der mächtigsten Zentralbank der Welt zu Beginn seiner Amtszeit mit Kongressmitgliedern getroffen. Eigentlich ist dies auch nicht verwunderlich, denn das Parlament hat der Notenbank aufgegeben, stabile Preise und Vollbeschäftigung zu fördern. Regelmässig muss der Fed-Chef daher in Kongressausschüssen Rede und Antwort stehen und berichten, wie die Notenbank ihrem Mandat nachkommt. Er muss jedoch keineswegs dem US-Präsidenten Rechenschaft darüber ablegen, wie er die Geldpolitik gestaltet. Donald Trump hat in den Monaten vor der Kongresswahl Anfang November seine Kritik an der unabhängigen Notenbank dennoch verschärft.

Im Sommer, als sich Trump so richtig auf die Notenbank einschoss, häuften sich die Treffen: 33 Mal suchte Powell den Kontakt zum politischen Kraftzentrum der USA im Kapitol. Er traf sich öfter mit Republikanern als mit Demokraten und orientierte sich damit an den Mehrheitsverhältnissen im Kongress. Was besprochen wurde oder wer die Treffen angesetzt hat, bleibt zwar im Dunkeln. Doch Powell, der früher im US-Finanzministerium gearbeitet hat, bekennt offen, dass er Wert auf einen engen Draht zur Politik legt: In einem Rundfunkinterview erklärte er, sich mit Abgeordneten in den hohen Hallen des Kongressgebäudes zu treffen, sei ein wichtiger Teil seines Jobs.

Doch Trump beschuldigt ihn und die Führungsriege der Fed, mit den Zinserhöhungen zu überziehen. Die Kritik gipfelte in dem Vorwurf, die Währungshüter seien "verrückt" geworden. "Für einen Präsidenten ist es äussert ungewöhnlich, die Zentralbank so offen zu kritisieren", meint Ökonom Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. Warum also hat der republikanische Präsident den von ihm persönlich ausgewählten Fed-Chef ins Visier genommen?

Wirtschaft und Börse im Fokus

Eine Antwort dürfte in der wirtschaftlichen Lage des Landes begründet liegen: Trump reklamiert den Aufschwung und damit indirekt den Börsenboom für sich, obwohl die Wirtschaft bereits unter seinem demokratischen Vorgänger Barack Obama längst auf Wachstumskurs war. Er fürchtet offenbar, dass die von Powell gegen eine Überhitzung der Wirtschaft gerichteten Zinserhöhungen den Aufschwung dämpfen könnten und dies auf ihn abfärben würde. Eine Abschwächung der Wachstumskräfte wurde bereits für die Daten zum dritten Quartal erwartet. Dies könnte seiner Partei bei den Kongresswahlen am 6. November schaden.

Laut Cutkovic muss auch in Betracht gezogen werden, dass es sich an der Wall Street aktuell um die längste Aktienrally in der amerikanischen Geschichte handelt. Vor allem die Tech-Werte verzeichneten in den vergangenen Jahren massive Kursanstiege. Die Anleger reagierten daher deutlich empfindlicher auf Faktoren, die die Rally bremsen könnten - insbesondere Zinserhöhungen.

Der Umfrage-Forscher Patrick Murray von der Monmouth University in New Jersey geht davon aus, dass sich in einigen wohlhabenden Wahlbezirken der Ostküste fallende Börsenkurse durchaus auf die Wahlpräferenzen bei der Kongresswahl am 6. November auswirken, wie er der "Financial Times" sagte. Denn während mehr als die Hälfte der Bürger direkt oder indirekt Aktien halten, sind es bei den begüterten Amerikanern laut Statistiken der Fed sogar 90 Prozent.

Fed-Chef Powell ist es bei seinen Kontakten mit Kongressmitgliedern offenbar gelungen, den einen oder anderen Politiker auf seine Seite zu ziehen - darunter auch Republikaner. So nahm der Chef des Finanzausschusses im Senat, Orrin Hatch, die US-Währungshüter gegen die Fundamentalkritik Trumps in Schutz: "Ich stimme nicht mit allem überein, was sie tun. Dennoch sind es ziemlich gute Leute."

(Reuters)