Fed-Zinsanstieg für Bondhändler so sicher wie Amen in der Kirche

Eine Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve im kommenden Monat ist für Anleihehändler inzwischen so sicher wie das Amen in der Kirche.
27.11.2016 10:02
Fed-Chefin Janet Yellen.
Fed-Chefin Janet Yellen.
Bild: pixabay.com

Dahinter stehen zunehmende Spekulationen, dass die konjunkturankurbelnden Massnahmen des designierten US-Präsidenten Donald Trump zu einer schnelleren Straffung der Geldpolitik führen werden.

Die vom Markt implizierte Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts der Zentralbank bei ihrem Treffen am 13. und 14. Dezember hat in dieser Woche zum ersten Mal überhaupt die Marke von 100 Prozent erreicht. Das geht aus Bloomberg-Berechnungen hervor, die auf Futures basieren. Bei einer Auktion von fünfjährigen US-Staatspapieren zu Beginn dieser Woche war die Rendite so hoch wie seit 2009 nicht mehr und ein Indikator am Bondmarkt für die Inflationserwartungen ist bis nahe an den höchsten Wert seit 2015 gestiegen.

Trump war im Wahlkampf mit dem Versprechen von "massiven“ Steuersenkungen und der Aussicht auf Ausgaben von bis zu 1 Billion Dollar über ein Jahrzehnt für die Verbesserung der amerikanischen Infrastruktur auf Stimmenfang gegangen.

Auch Yellen erwartet Zinsanstieg «relativ bald»

Sein unerwarteter Sieg am 8. November hatte zu einem Kurseinbruch bei Staatsanleihen, einem Anstieg des Dollar und Zugewinnen bei Aktien geführt. Die vier wichtigsten US-Aktienindizes kletterten an den ersten beiden Handelstagen der laufenden Woche auf neue Allzeithochs.

Eine US-Zinserhöhung könnte sehr gut ’relativ bald’ angemessen sein, hatte Janet Yellen, die Vorsitzende der Federal Reserve, in der vergangenen Woche erklärt. Wörtlich sagte sie: “Bei unserem Treffen Anfang des Monats kam der Ausschuss zu dem Schluss, dass sich die Argumente für eine Erhöhung der Zielspanne weiter verstärkt haben, und dass solch eine Erhöhung sehr wohl relativ bald angemessen sein könnte, wenn die Daten weitere Belege liefern für kontinuierliche Fortschritte in Richtung der Ziele des Ausschusses”. Sie bezog sich bei ihrer Aussage auf den zinspolitischen Offenmarktausschuss der Fed.

“Nach dem Trump-Schock ist es für die Fed einfach, die Zinsen heraufzusetzen, weil sich die Inflationserwartungen nach oben bewegt haben" wie auch die Aktienkurse, meint Hideaki Kuriki, Anleihe-Investor bei Sumitomo Mitsui Trust Asset Management in Tokio. Auch er ist sich zu „100 Prozent“ sicher, dass die Fed im kommenden Monat die geldpolitischen Zügel straffen wird.

Zehnjährige US-Treasuries mit Renditen bei 2,5 Prozent Ende 2017?

Die Differenz bei der Rendite von zehnjährigen US-Papieren und inflationsgeschützten Treasury Inflation Protected Securities (TIPS) mit vergleichbarer Laufzeit – ein Massstab für die Erwartungen zur Entwicklung der Verbraucherpreise über die Laufzeit der Anleihen – war zuletzt auf 1,95 Prozent angestiegen, verglichen mit einem Tiefstwert von 1,12 Prozent im Februar.

Renditen um die 2,3 Prozent bei zehnjährigen US-Treasuries locken japanische und europäische Investoren an – wobei US-Fonds von einem noch weiteren Anstieg ausgehen, sagt Kuriki. Seiner Meinung nach wird die Rendite bis auf etwa 2,5 Prozent klettern, sobald die Sorgen der Investoren zum Haushaltsdefizit unter Trump zunehmen. Die Break-Even-Rate liege möglicherweise bei 3 Prozent.

Von Bloomberg befragte Analysten sehen einen Anstieg der Rendite bis Ende 2017 auf fast 2,5 Prozent, wobei den jüngsten Prognosen eine stärkere Gewichtung gegeben wurde.

(Bloomberg)