Finanzbranche - Schweizer Privatbanken profitieren von «Brexit-Flucht» reicher Briten

Viele reiche Briten fürchten bei einem ungeregelten Brexit chaotische Zustände und schaffen daher ihr Geld ausser Landes. Davon profitieren Privatbanken im «sicheren Hafen» Schweiz.
02.10.2019 14:58
Schild am Zürcher Paradeplatz, dem symbolischen Schweizer Finanzzentrum.
Schild am Zürcher Paradeplatz, dem symbolischen Schweizer Finanzzentrum.
Bild: cash

Schweizer Banken verzeichneten in den vergangenen Monaten einen regen Zustrom von Kunden aus dem Vereinigten Königreich, wie mehrere mit der Lage vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Während demnach bislang viele internationale Geschäftsleute mit britischem Wohnsitz einen Teil ihres Vermögens in der Schweiz parken, sind es nun auch alteingesessene Briten selbst, die ihr Geld wegen der unabsehbaren Lage in Sicherheit bringen wollen.

"Wir haben in den vergangenen Monaten eine Verdreifachung bei den Kontoeröffnungen aus Grossbritannien verzeichnet", sagte eine Person, die mit den Vorgängen bei einer Grossbank vertraut ist. Neben der Schweiz wählten viele Briten auch Luxemburg als sicheren Hafen. Dies werde von Steuerberatern in Grossbritannien auch aktiv so angeboten.

Ein Insider bei einer weiteren Grossbank sagte, es seien vor allem superreiche Kunden, die einen Teil ihres Vermögens in die Schweiz brächten, um dieses auf mehrere Orte zu verteilen. Dieser Trend habe sich in den vergangenen Wochen deutlich verstärkt. Das bestätigte ein Eingeweihter bei einer Privatbank, die bereits in den vergangenen drei bis sechs Monaten mehr Kunden aus Grossbritannien zählte.

Schweizer Banken gehören zu den grössten Vermögensverwaltern der Welt. Sie profitieren dabei vom Ruf der Schweiz als wirtschaftlich und politisch stabiles Land. Zudem ist der als sicher geltende Schweizer Franken bei Investoren als Anlage beliebt. Per Ende März 2019 hatten Briten knapp 19 Milliarden Dollar in der Schweiz geparkt. Das geht aus der Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ hervor - die vergangenen sechs Monate sind darin jedoch nicht enthalten. Zu Hochzeiten - etwa während der Finanzkrise - waren es mit knapp 30 Milliarden Dollar auch schon deutlich mehr. In Luxemburg hatten die Briten zuletzt gut 14 Milliarden Dollar - mit stetig steigender Tendenz.

(Reuters)