Finanzplatz - Schweizer Banken fordern neue Freiräume

Die Schweizer Banken stehen zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise wieder auf soliden Beinen. Nun ist nach Ansicht der Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) die Zeit gekommen, die Fesseln zu lösen.
11.09.2018 12:42
Zürichs Finanz- und Bankenzentrum um den Paradeplatz, von Westen gesehen.
Zürichs Finanz- und Bankenzentrum um den Paradeplatz, von Westen gesehen.
Bild: Pixabay

Dezidiert fordert der Verband einfachere Regeln für KMU-Banken, die Abschaffung der Stempelabgabe und ein Rahmenabkommen mit der EU. Die Aufarbeitung der Finanzkrise hat einen stabileren und sichereren Schweizer Bankensektor geschaffen, resümierte der SBVg am Dienstag. Dies sei auch dank neuer Vorschriften und Regulierungen erreicht worden. Die Regeln gingen aber teilweise weit über die Anforderungen der internationalen Bankenaufsicht hinaus.

"Nun gilt es, das Pendel der Regulierung ins Lot zurückzuführen", erklärte SBVg-Präsident Herbert Scheidt an einer Medienkonferenz zum Bankiertag 2018. Gemäss Scheidt ist es an der Zeit, die wichtigen Aspekte von Sicherheit und Stabilität "ins rechte Mass zu unternehmerischer Freiheit und Wettbewerbsfähigkeit zu setzen".

Regulierungsprozesse verbessern

Abgeschafft haben möchte die SBVg etwa die Stempelabgabe. Denn damit würde ein wesentlicher Wettbewerbsnachteil der Schweizer Banken in der Vermögensverwaltung beseitigt, sagte SBVg-Geschäftsleiter Claude-Alain Margelisch.

Dringende Verbesserungen fordert der Verband auch im Regulierungsprozess. Dabei will er, dass die Branche bei allen Regulierungsschritten als Gesprächspartner einbezogen und auf "jeglichen unausgereiften Swiss Finish" verzichtet wird.

Nach dem Wegfall des Bankkundengeheimnis könne es sich die Schweiz nicht mehr leisten, neue und striktere Regulierungen als im Ausland einzuführen, richtete Scheidt das Wort an die Finanzmarktaufsicht Finma. Dieser wirft der Verbandspräsident vor, im Rahmen der Überarbeitung der Leitlinien zur Finanzmarktregulierung bezüglich der Anliegen der Branche keine Einigung gefunden zu haben.

Für die KMU-Banken will die SBVg ausserdem Regulierungserleichterungen erreichen. So sollen Banken mit einer "besonders guten" Eigenmittelausstattung vereinfachte Vorschriften für die Berichterstattung erhalten. Gemäss Scheidt brächte dies den Instituten nicht nur tiefere Kosten, sondern auch unternehmerischen Handlungsspielraum.

Rahmenabkommen notwendig

Die Bankiervereinigung möchte auch, dass das Thema Nachhaltigkeit in die Rahmenbedingungen einbezogen wird. Gemäss Margelisch beträgt der Anteil nachhaltiger Investitionen heute bereits 8,7 Prozent am gesamten Schweizer Fondsmarkt.

Neuste Marktanalysen würden zudem für die Schweiz ein "eindrückliches" Wachstum nachhaltiger Investitionen von 82 Prozent in 2017 zeigen. Deshalb wolle die Bankiervereinigung künftig einen klaren Schwerpunkt auf das Thema legen.

Erhalten möchte die Branchenvertretung bestehende Freiräume. Dazu gehört der Marktzugang der Schweizer Institute zur Europäischen Union. Ohne ein Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU "kann der Status quo nicht aufrechterhalten werden", sagte Scheidt, der die Gesprächsverweigerung gewisser Kreise zu diesem Thema als ein "Affront gegenüber der Schweiz und unserer Regierung", bezeichnet.

(AWP)