Firmengewinnsteuer sinkt in der Schweiz auf tiefes Niveau

Die Gewinnsteuersätze für Firmen sind in der Schweiz auf dieses Jahr hin wie zu erwarten war gesunken. Der Grund ist die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform in vielen Kantonen. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz noch sehr gut da.
01.07.2020 11:50

Nach jahrelanger Stagnation fallen die Gewinnsteuersätze per 2020 schweizweit im Durchschnitt um zwei Prozentpunkte auf 15,1 Prozent, wie am Dienstag aus dem "Swiss Tax Report" des Beratungsunternehmens KPMG hervorgeht. Zu Beginn der Beobachtungen 2007 lag dieser Wert noch bei über 20 Prozent.

Starker Rückgang in Genf

Eine Reihe von Kantonen hätten die Steuersätze im Rahmen der Steuerreform (STAF) gesenkt, begründet KPMG den deutlichen Rückgang. Ins Auge sticht dabei der Kanton Genf, der seine Gewinnsteuersätze von über 24 auf 14 Prozent gesenkt hat.

Die nach wie vor tiefsten Sätze sind in der Zentralschweiz zu finden. Nach einer weiteren Senkung liegt der Kanton Zug mit 11,9 Prozent in Front und hat so Luzern (12,3%) auf den zweiten Rang verdrängt. Glarus (12,4%) konnte neun Plätze gut machen und in die Top 3 vorstossen.

Am Ende der Rangliste steht das Wallis (21,7%), wo die Reform erst noch umgesetzt wird und bis 2025 mit einem Rückgang um beinahe fünf Prozentpunkte gerechnet wird. Über dem Durchschnitt liegen etwa auch die Grosskantone Zürich (21,2%) und Bern (21,6%).

Doch auch in diesen beiden Kantonen sind Steuersenkungen angedacht. Über die gesamte Schweiz hinweg geht man daher bei KPMG davon aus, dass der Gewinnsteuersatz bis 2025 weiter auf 14,3 Prozent zurückfallen wird.

International wettbewerbsfähig

Die Schweiz schneidet bereits heute im internationalen Vergleich sehr gut ab. Nebst Staaten und Steueroasen wie den Bahamas, Bahrain, Bermuda, Cayman Island oder Dubai, die keine Unternehmensbesteuerung kennen, steht nur Qatar (10%) im KPGM-Ranking vor der Schweiz. Hongkong (16,5%) und Singapur (17,0%) wurden überholt.

Doch tiefe Steuern alleine reichen nicht aus, um als Wirtschaftsstandort langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, warnen die KPMG-Experten. Denn auch im Ausland kündigten sich grosse Umwälzungen im Steuerwettbewerb an.

Der Standortwettbewerb allgemein dürfte sich im Zuge der Coronakrise noch verschärfen, heisst es. Hoch verschuldete Länder hätten sich während der Pandemie massiv weiter verschuldet und sie müssten nun noch intensiver um Steuereinnahmen kämpfen. Faktoren wie der Zugang zu Märkten und qualifizierten Arbeitskräften, eine moderne Infrastruktur oder Investitions- und Rechtssicherheit würden künftig eine zunehmende Rolle im Standortwettbewerb spielen, glaubt man bei der KPMG.

Zug hält bei Individualbesteuerung mit

Bei der Besteuerung privater Personen liegt der Kanton Zug mit einem Satz von 22,4 Prozent im europäischen Vergleich in den Top Ten. Die Tabelle wird von den osteuropäischen Staaten Bulgarien (10%), Rumänien (10%) und Ungarn (15%) mit den tiefsten Spitzeneinkommenssteuersätzen angeführt. Die höchsten Sätze in Europa weisen nach wie vor Schweden (57,2%) und Dänemark (55,9%) auf.

Ein Grossteil der Kantone findet sich im europäischen Mittelfeld wieder, wobei sich Genf als Kanton mit dem höchsten Steuersatz für Spitzeneinkommen (44,8%) etwas weiter hinten einreiht. In Zürich (39,8%), Bern (41,3%) und Basel-Stadt (40,3%) liegen sie ebenfalls auf höherem Niveau.

Global betrachtet zeigt sich kein einheitliches Bild. Während verschiedene Offshore-Domizile und vereinzelte Nahost-Staaten nach wie vor keine Steuern auf Einkommen erheben, sind die Steuersätze in Ländern wie Japan (46%), China (45%), Australien (45%) und USA (37%) relativ hoch.

mk/kw

(AWP)