Flughafen Zürich: Bundesrat hält an umstrittenen Südstarts fest

(Meldung ergänzt und durchgehend neu) - Pistenverlängerungen und Südstarts geradeaus bei Nebel und Bise: Der Bundesrat hat die Leitplanken für die weitere betriebliche Entwicklung des Flughafens Zürich gesetzt. Im Zentrum steht "die Verbesserung der Sicherheitsreserven".
23.08.2017 15:15

Der Betrieb am Flughafen Zürich ist sehr komplex. Dies ist unter anderem auf die geographische Lage, auf die sich kreuzenden Pisten und Flugrouten sowie auf lärmpolitische Gründe zurückzuführen.

Der Bundesrat hat am Mittwoch das sogenannte Objektblatt des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL) neu festgesetzt. Mit der vorgenommenen Anpassung des SIL will er insbesondere die Sicherheitsreserven erhöhen.

Mit den neuen Massnahmen liessen sich zudem gewisse Kapazitätseinbussen kompensieren, die sich in den vergangenen Jahren aus diversen Gründen eingestellt hätten, hält der Bundesrat in einer Mitteilung fest. "Eine Kapazitätssteigerung zur Deckung der über das Jahr 2030 hinaus zu erwartenden Verkehrsnachfrage ermöglicht der SIL aber nicht."

NEUE SÜDSTARTS GERADEAUS

Die grösste Herausforderung stelle heute vor allem der Betrieb bei Bise oder Nebel dar, schreibt der Bundesrat weiter. Um die Sicherheitsmarge zu verbessern, ermöglicht der angepasste SIL bei solchen Wetterlagen deshalb neu den Südstart geradeaus. Mit diesem Flugregime entfallen gegenüber dem derzeitig angewandten System verschiedene Kreuzungspunkte.

Die Zürcher Regierung hatte zum Schutz der Bevölkerung zumindest den Verzicht auf den umstrittenen Südstart geradeaus bei Nebel verlangt. Die Notwendigkeit sei nach wie vor "unzulänglich begründet", hält sie in einer Mitteilung vom Mittwoch fest.

Zufrieden zeigt sich der Regierungsrat hingegen damit, dass beim neuen Südstart die Langstreckenflugzeuge länger geradeaus geführt werden als ursprünglich vorgesehen. Mit dem Verzicht auf die frühere Rechtskurve entfalle die Flugroute "direkt über das Stadtzentrum von Zürich". So könne eine weitere Belastung der ohnehin schon erheblich belastete Stadt vermieden werden.

ZWEI PISTEN SOLLEN LÄNGER WERDEN

Im SIL sind auch die Verlängerungen der Pisten 28 und 32 aufgenommen worden, die seit langem angedacht sind. Diese Massnahmen sollen ebenfalls den Betrieb vereinfachen.

Dank der Verlängerung der Ostlandepiste 28 um 400 auf 2900 Meter sollen beispielsweise dereinst sämtliche Flugzeugtypen auch bei schlechteren Bedingungen aufsetzen können.

Heute müssen die grossen Langstreckenflugzeuge unter anderem bei Nässe oft auf den Südanflug auf die längere Piste 34 ausweichen. Das Umstellen zwischen den verschiedenen Anflugrouten erhöht die Komplexität des Betriebes.

JAHRE BIS ZUM SÜDSTART GERADEAUS

Der SIL-Entwurf wurde im vergangenen September für ein Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren öffentlich aufgelegt. Rund 5300 Stellungnahmen von Kantonen, Gemeinden und Bürgern gingen daraufhin ein. Das vom Bundesrat am Mittwoch bewilligte Objektblatt entspricht weitgehend dem ursprünglichen Entwurf.

Das SIL-Objektblatt bildet die Grundlage für die Infrastruktur und den Betrieb des Flughafens. Die Flughafen Zürich AG kann nun gestützt auf diese vorgegebenen Rahmenbedingungen ein Betriebsreglement ausarbeiten. Dieses muss - nach Zustimmung durch den Zürcher Regierungsrat - dem Bund zur Genehmigung vorgelegt werden.

Bis die Südstarts geradeaus kommen, dürfte es noch einige Zeit dauern: "Erfahrungsgemäss ist bis zur Einführung des neuen Betriebsreglements mit einem Zeithorizont von mehreren Jahren zu rechnen", schreibt der Bundesrat.

(AWP)