Flughafen Zürich: Pläne für mehr Sicherheit überzeugen nicht alle

(Meldung nach MK umfassend ergänzt und umgeschrieben.)
27.09.2016 16:06

Bern/Zürich (awp/sda) - Am Flughafen Zürich sollen bei Bise oder Nebel gerade Südstarts möglich sein, und zwei Pisten sollen verlängert werden. Mit diesen Massnahmen will der Bund die Sicherheit des Flugbetriebs erhöhen. Die Reaktionen aus dem Raum Zürich fallen sehr unterschiedlich aus. Dem Flughafen geht der Entwurf zu wenig weit.

Die grösste Herausforderung für den Zürcher Flugbetrieb stelle heute vor allem der Betrieb bei Bise oder bei Nebel dar, sagte BAZL-Direktor Christian Hegner am Dienstag vor Medien in Bern. Werde bei solchen Wetterlagen mit "Südabflügen geradeaus" gestartet, würden Landungen von Norden und Starts in den Süden kreuzungsfrei erfolgen. Die Sicherheitsmarge könne dadurch deutlich verbessert werden.

Das angepasste Nordkonzept ist eine der neuen Massnahmen, die der Direktor des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) am Dienstag präsentierte, und Teil des überarbeiteten Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL2). Mit diesem Konzept würden jährlich rund 13'000 Flugzeuge auf diesem Weg starten, schätzt der Bund.

Das Bisen-Konzept ist ein Kompromiss, mit dem der Bund den Anwohnern der betroffenen Gebiete im Süden des Flughafens etwas entgegenkommt. Zunächst war nämlich die Variante erwogen worden, Südstarts auch während der Spitzenzeiten über Mittag oder über den ganzen Tag hinweg zuzulassen. Davon sieht das BAZL nun "aufgrund der zu erwartenden deutlichen Zunahme der Lärmbelastung" ab, wie es mitteilte.

Der Kanton Zürich zeigte sich darüber erfreut, dass die vorgesehenen Starts nach Süden nicht im Regelbetrieb vorgesehen sind. Er will nun unter Einbezug von Gemeinden und Interessensvereinigungen kritisch prüfen, ob die Pläne mit den Zielen der Flughafenpolitik des Kantons vereinbar sind.

Gegen Südstarts protestiert die Stiftung gegen Fluglärm. Mit einer "Salami-Taktik" solle die Bevölkerung nach den "verhängnisvollen Südanflügen nun auch schrittweise an Südstarts gewöhnt werden".

LANDUNG BEI WIND UND REGEN

Weiter will der Bund den Flugbetrieb auf verlängerten Pisten ermöglichen. So lasse sich die Komplexität des Flugbetriebs reduzieren.

Mit der Verlängerung der Piste 28 von heute 2500 Meter auf 2900 Meter könnten sämtliche Flugzeugtypen auch bei schlechteren Bedingungen wie bei Nässe oder zu starkem Rückenwind auf dieser Piste landen, schreibt das BAZL. Heute wichen Langstreckenflugzeuge häufig auf den Südanflug aus, was die Komplexität des Betriebes erhöhe.

Mit der Verlängerung der Piste 32 von 3300 auf bis zu 3700 Meter könnten auch schwere Langstreckenflugzeuge von dieser Piste starten, was zu weniger Kreuzungspunkten am Boden führen würde.

Die geplante Pistenerweiterung stösst allerdings auch auf Kritik. Diese dürfe nicht einer Steigerung der Kapazität dienen, fordert etwa die Allianz Ballungsraum Flughafen Süd.

KEINE REZEPTE FÜR DIE ZUKUNFT

Der Flughafen Zürich zeigt sich gegenüber den neuesten Vorschlägen aus Bern zweigeteilt. Der überarbeitete Sachplan löse zwar wichtige bestehende Probleme, schreibt er in einer Stellungnahme. Besonders die Anpassung des Bisen-Konzepts mit Südstarts schaffe mehr Sicherheit.

Die vorliegenden Pläne zeigten aber keine Lösungen auf, wie die erwartete Nachfrage nach Luftverkehr langfristig abgewickelt werden solle, kritisiert der Flughafen. Dies schaffe Unsicherheit für die Bevölkerung und verunmögliche es der Flughafenbetreiberin, langfristig einen qualitativ hochstehenden Flugbetrieb sicherstellen zu können.

MEHR SICHERHEIT

Der Flughafen Zürich ist der grösste Flughafen der Schweiz. Seine geographische Lage, das Pistenkreuz und die lärmpolitischen Vorgaben wirken sich allerdings negativ auf die Sicherheitsmarge aus.

Mit der Anpassung des SIL-Objektblattes für den Flughafen Zürich (SIL2) sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Sicherheit des Betriebs weiter zu verbessern. Der Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) bildet den Rahmen für den Betrieb und für die Bauten des Flughafens.

Im Sommer 2013 hatte der Bundesrat das SIL-Objektblatt für den Flughafen Zürich verabschiedet (SIL1). Dieses basierte weitgehend auf der bestehenden Infrastruktur und dem aktuellen Betrieb. Mit der nun vorliegenden Anpassung sollen die Grundlagen für wichtige Entwicklungsschritte des Flughafens gelegt werden.

Die Pläne gehen nun in die Vernehmlassung. Bis die Änderungen in Kraft treten, kann es allerdings noch Jahre dauern. Zu einer Pistenverlängerung hat zudem das Zürcher Stimmvolk das letzte Wort.

(AWP)