Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020: Schweizer Beitrag wichtig

Von der Assoziierung der Schweiz an "Horizon 2020" profitieren alle Beteiligten. Das unterstrich das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) am Dienstag an einer Konferenz in Bern. Die Exzellenz der Forschung sichtbar zu machen und Resultate zu kommunizieren sei insbesondere in diesen für die Wissenschaft schwierigen Zeiten wichtig.
14.03.2017 16:54

Eine "Win-Win-Situation", so nennt Robert-Jan Smits, Generaldirektor für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission, die volle Assoziierung der Schweiz beim europäischen Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020".

"Die Schweiz ist Top in Sachen Wissenschaft und Innovation. Solch einen Partner bei Horizon 2020 dabei zu haben, ist sehr wichtig für die europäischen Länder", erklärte Smits am Rande der Konferenz "Horizon 2020: Associated!" in Bern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Aber die Schweiz brauche als kleines Land auch die Vernetzung mit den europäischen Forschern und Ländern.

GÜTESIEGEL FÜR EXZELLENTE FORSCHUNG

"Der Mehrwert für die Schweiz, an diesem kontinentalen Wettbewerb um Fördergelder teilzunehmen, ist enorm", betonte auch Staatssekretär Mauro Dell'Ambrogio, Direktor des SBFI. Dank des Wettbewerbs werde die Exzellenz der Schweizer Forschung sichtbar.

"Stellen Sie sich vor, es gebe statt des Schweizerischen Nationalfonds 26 kantonale Fonds. Wie würde man das Geld verteilen? Ohne den Wettbewerb könnte man keine Exzellenz mehr erkennen. Das gleiche gilt auf kontinentaler Ebene."

Das Gütesiegel, das die Förderung im Rahmen von Programmen wie Horizon 2020 bedeutet, scheint umso wichtiger in Zeiten, in denen sich die Wissenschaft mit einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung konfrontiert sieht. Weltweit blicken Forschende besorgt auf die politischen Entwicklungen in den USA, wo "gefühlte Wahrheiten" für viele mehr zu zählen scheinen als Fakten. Aber auch in Europa zeichnet sich eine Vertrauenskrise gegenüber der Wissenschaft ab.

BESORGNISERREGENDE ENTWICKLUNGEN

Zwei Entwicklungen benennt Smits als besorgniserregend: "Wir sehen zunehmend Zweifel an der Wissenschaft und das halte ich für hoch gefährlich. In bestimmten Teilen Europas liegt der Anteil der Menschen, die sich impfen lassen, unter 11 Prozent. Eltern haben Angst ihre Kinder impfen zu lassen wegen Berichten über einen Zusammenhang mit Autismus, der aber wissenschaftlich widerlegt wurde. Der fehlende Impfschutz kann aber lebensgefährlich sein."

Zweitens werde es Wissenschaftlern in bestimmten Ländern erschwert, ihre Resultate zu veröffentlichen, so Smits. "Forscher müssen ihre Resultate so oder so publizieren, egal ob die Ergebnisse der Regierung gefallen oder nicht. Aber wir sehen diese Freiheit der Forschung in manchen Ländern gefährdet." Als Beispiel nennt er die USA, wo Klimaforscher seit dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident ihre Resultate nicht mehr so leicht veröffentlichen können wie zuvor.

GLAUBWÜRDIGKEIT STÄRKEN

Gegen diese Entwicklungen zu steuern, sei sehr wichtig, so Staatssekretär Mauro Dell'Ambrogio. "Die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft stärken wir am besten durch glaubwürdige internationale Systeme, die erlauben, solide Wissenschaft von Nicht-Wissenschaftlichem zu trennen." Dafür spiele auch die Förderung exzellenter Forschung eine essenzielle Rolle.

Die Gesellschaft sehe sich grossen Herausforderungen gegenüber, von der Energiewende über den Klimawandel bis hin zu neuen Produktionstechnologien, die benötigt würden, sagte Smits. "Die Wissenschaft kann dafür Lösungen liefern. Aber die Forscherinnen und Forscher müssen ihre Ergebnisse auch mehr an die Öffentlichkeit tragen, nur so können wir verlorenes Vertrauen zurückgewinnen."

(AWP)