Franken-Interventionen - Auch die UBS warnt nun die Nationalbank vor US-Vergeltung

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte es ungemütlich werden. Warnungen, dass die Deviseninterventionen zur Schwächung des Frankens die USA erzürnen, werden von mehr und mehr Beobachtern ausgesprochen.
23.07.2020 09:24
Von Marc Forster
Alessandro Bee, Ökonom UBS, in einem früheren Interview.
Alessandro Bee, Ökonom UBS, in einem früheren Interview.
Bild: cash

Die USA werden mit dem Finger auf die Schweiz zeigen, heisst es von der grössten Schweizer Bank. UBS-Ökonom Alessandro Bee erwartet, dass die USA die SNB als Währungsmanipulator einstufen werden. Die Schweiz steht wegen der Deviseninterventionen, die sie seit Jahren zur Schwächung des Frankens vor allem zum Euro unternimmt, bereits unter Beobachtung. 

Die USA schauen argwöhnisch auf Länder, denen sie unterstellen, die eigene Industrie zu bevorteilen. Die SNB selber wehrt sich gegen die Vorwürfe und betont wie schon seit Jahren, dass Deviseninterventionen zusammen mit Negativzinsen Teil der geldpolitischen Bemühungen seien, den Franken nicht zu stark aufwerten zu lassen. 

Schon Goldman Sachs warnte

UBS-Wirtschaftsanalyst Bee ist nicht der erste, der die SNB warnt. Vor einer Woche hatte die US-Grossbank Goldman Sachs die Lage sehr ähnlich beurteilt (cash berichtete). Ungemüglich ist die Situation für die SNB deswegen, weil in den USA demnächst eine neue "Watchlist" von Ländern veröffentlicht wird, die nach US-Einschätzung den Devisenmarkt ungebührlich beeinflussen.

Die USA können einen Handelspartner als Währungsmanipulator einstufen, wenn es drei Kriterien erfüllt: Ein hoher Überschuss in der Leistungsbilanz, ein Überschuss in der Handelsbilanz mit den USA und Devisenkäufe. Die ersten zwei Kriterien erfüllt die Schweiz bereits. Die USA könnten aber auch von Repressalien absehen: "Vieles hängt von diplomatischen Geschick der Schweizer Behörden und dem Wohlwollen der USA ab", sagte Bee. 

Die Unsicherheit um die SNB-Geldpolitik wäre aber dennoch höher, wenn die Kritik der USA zunimmt. Dies würde laut Bee auch die Wechselkurse des Frankens volatiler machen. 

Der Euro-Franken-Kurs in den vergangenen zwölf Monaten (Grafik: cash.ch)

Das Euro-Franken-Währungspaar steht aktuell bei einem Kurs von 1,0750. In den vergangenen Tagen ist der Euro unter dem Eindruck der letztendlich beschlossenen EU-Milliardenhilfen für coronageschädigte Länder spürbar stärker geworden. Der US-Vorwurf an die Schweiz bezieht sich aber eher auf den April und den Mai.

Im April fiel der Kurs nie unter die Marke von 1,05, weswegen spekuliert wurde, dass sich auf diesem Level eine "unsichtbare" Untergrenze für die SNB befinde. Zwischen dem 17. Mai und dem 17. Juni ist der Euro innert drei Wochen von 1,0511 auf 1,0865 Franken gestiegen, bevor der Franken wieder aufwertete.

Mit Material der Nachrichtenagentur Bloomberg.

 
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