Hügli meint

Franken und SNB: Wiederholt sich der Sommer 2011?

Bei einem Brexit sehen viele Beobachter bereits eine Sommer-«Frankenschlacht», ähnlich wie vor fünf Jahren. An diesem Szenario darf man Zweifel hegen.
21.06.2016 22:55
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
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Bild: Geri Born

Der 9. August 2011 steht als Höhepunkt für einen äusserst turbulenten Sommer an den Börsen und Devisenmärkten. Der Swiss Market Index fiel an diesem Tag zeitweise über fünf Prozent. Noch extremer waren die Auswüchse im Devisenhandel. Der Franken wertete sich an diesem Dienstag gegenüber dem Euro um bis zu 8 Rappen auf und erreichte mit einem kurzzeitigen Kurs von 1,0070 quasi die Parität zur europäischen Einheitswährung. Nur Wochen später reagierte die Schweizerische Nationalbank mit der Einführung der Kursuntergrenze zum Euro.

Auslöser der Turbulenzen in diesem Krisen-Sommer waren vor allem die anhaltenden Sorgen über die Schuldenkrise in Europa. Nun sehen viele Medien und Marktbeobachter angesichts eines möglichen Austritts Grossbritanniens aus der EU eine ähnliche Massenflucht verunsicherter Investoren in den Schweizer Franken. Eine Schweizer Tageszeitung prophezeit bereits eine "Frankenschlacht", eine Nachrichtenagentur sieht einen "Brexit-Tsunami" auf die SNB zukommen.

Wiederholt sich für die SNB bei einem Brexit der Sommer 2011? Wertet sich der Franken gegen den Euro dann tatsächlich wieder schlagartig auf? Es gibt gute Gründe, dies mit einem Nein zu beantworten.

Zwar hat sich der Franken in den letzten zwei Wochen angesichts des näher rückenden Referendums in Grossbritannien wieder deutlich aufgewertet. Aber die Schweizer Währung hat in den letzten zwei Jahren zweifellos an Attraktivität als sicherer Hafen für verunsicherte Anleger eingebüsst. Das bewies das letzte Jahr, als sich der Franken trotz kriegerischen Auseinandersetzungen, Terror und Börsenturbulenzen ausgelöst durch die Wachstumsabschwächung in China nicht aufwertete. Die SNB musste an den Devisenmärkten nicht mal gross nachhelfen.

Zum anderen hat sich die Perzeption der Märkte gegenüber der SNB geändert. Die Nationalbank ist seit der hauruckartigen Aufhebung der Kursuntergrenze unberechenbarer geworden. Investoren überlegen es sich nun zweimal, ob sie tatsächlich in den Franken investieren sollen. Die SNB hat es in den letzten 15 Monaten auch geschafft, die Volatilität aus dem Franken zu bringen.

Daher sollte der Franken bei einem Brexit keinem ähnlichem Sturm ausgesetzt sein wie im Krisen-Sommer 2011. Ob die derzeitigen Mittel der SNB zur Bekämpfung der Frankenaufwertung – Negativzinsen und Interventionen am Markt – mittel- und allenfalls langfrististig wirksam und auch die richtigen wären, steht indes auf einem anderen Blatt.